Tag 59 - Wir wissen, dass wir nichts wissen oder: Trilobiten lehren uns wie unbedeutend der Mensch ist

Wir wurden heute von Ziegenglocken und -gemäcker geweckt. Eine Ziegenherde kam bei uns am Parkplatz vorbei (die laufen hier im Naturpark überall rum und die Menschen machen wohl Käse aus der Milch). Dabei war auch ein Hund, der auf sie aufpasst. Ein Hirte war nicht dabei.

Es regnet. Seit Wochen zum ersten Mal. Die Berge hängen in den Wolken. Wir haben heute Bildungsprogramm und fahren ins Museum zu den Trilobiten. Wir landen auf einem leeren Parkplatz, aber das Gebäude ist offen. Als wir an der Kasse unser Ticket kaufen wollen bremst uns der junge Mann aus und fragt, ob wir überhaupt wissen wo wir hier sind. Naja ein Museum, wurde uns gestern empfohlen, nicht so richtig. Er klärt uns dann auf: das Museum wurde durch seinen Vater gebaut und ist in Privatbesitz. Sein Vater hat in der Region in einem Schieferbruch ganz viele ganz besondere versteinerte Trilobiten gefunden (ein ausgestorbener dreilappiger Gliederfüßer, die in den Meeren lebten, von denen es mehr als 20.000 Arten gab, welche eine wichtige Rolle in der Evolutionsgeschichte spielten).
Ebenso hat sein Vater auch den Geopark Arouca beantragt und ins Leben gerufen. Sein Sohn (unser Guide) führt das ganze fort (hat Geologie studiert). Wir bekommen dann nach der ersten Einführung ein Ticket und er bringt uns in das dritte von drei Häusern (klar, wegen Trilobiten…). Dort schauen wir einen kurzen Film (mit englischen Untertiteln) und bekommen die wesentlichen Fakten. Dann holt er uns wieder ab und führt uns durch ein Haus plus durch ein weiteres Haus (Haus drei ist die Kasse drin). Er zeigt uns verschiedene Versteinerungen. Er erklärt uns alles mögliche dazu. Das ganze äußerst lebendig und voller Begeisterung. Wir haben eine tolle Führung.

Hier die Eckpunkte für euch:
– In der Region wurden die größten Trilobiten der Welt gefunden. Der durchschnittliche Trilobit ist drei bis zehn Zentimeter groß. Der größte ist 90 cm. Der zweitgrößte 72 cm. Es wurden bislang nur in Kanada überhaupt noch so große gefunden.
– es gibt ca 20.000 verschiedene Arten und er kann uns 17 verschiedene zeigen
– die Trilobiten sind 470 Millionen Jahre alt. Im Vergleich dazu ist der Mensch erst 0,3 mio. Jahre alt – und damit echt jung.
– die Tiere hatten damals schon ultra gut entwickelte Komplexaugen, die sich evolutionär bis heute bei vielen Insekten durchgesetzt haben
– Die Tiere hatten damals schon eine Strategie zur Verteidigung indem sie als Gruppe aufgetreten sind (gibt es heute auch bei verschiedenen Artengruppen noch) und die Tiere kuschelten gern zusammen
– er hat eine Versteinerung wo sich kleine Trilobiten unter dem Schild eines großen Trilobiten versteckt haben.

Sein Lieblingsexponat: Trilobiten, unter dem sich 12 weitere aufhielten
Größter gefundener Trilobit: Länge ca. 90cm

Final ist er ganz begeistert von den Versteinerungen und erklärt sehr lebendig die Besonderheiten. Ein Überzeugungstäter durch und durch. Uns wird bei dem Besuch aber wieder einmal verdeutlicht, wie wenig wir eigentlich über die Welt wissen. Wir haben keine Ahnung wie viele Arten es gab, die wir nicht kennen, weil sie halt einfach nicht versteinert wurden. Genauso haben wir nur Mutmaßungen zu was sie gefressen haben, wie sie sich wirklich verhalten haben und vieles mehr. Wir suchen und suchen, wir finden Anhaltspunkte und interpretieren. Aber final wissen tun wir nichts. Uns wurde auch nochmal deutlich wie klein der Mensch eigentlich ist: wir sind nur eine Art und leben erst sehr kurz. Vergleicht das mal mit den Trilobiten. Die waren vllt. erfolgreich, hatten tausende Arten und Millionen Jahre überlebt und ähnliche Tiere gibt es bis heute. Das ist mal evolutionär erfolgreich.

Wir hatten also zwei echt spannende Stunden. Da es immer noch regnet und auch morgen regnen soll, beschließen wir keine weitere Wanderung in der Region zu machen, sondern weiter nach Norden zu fahren. Erstmal nur ne halbe Stunde auf einen Stellplatz am Douro Fluss. Dort hat es eine heiße Dusche und wir machen Mittagspause. Marie schläft bis 16 Uhr. Da der Stellplatz sehr nah an der Straße liegt und wir entscheiden, zügig weiter nach Norden zu fahren, um dort noch ein bisschen Zeit an der Küste zu verbringen, fahren wir nach einem Snack nochmal 60 km in den Norden. Leider kommen wir voll in den Feierabendverkehr und fahren irgendwie nur von Stadt zu Stadt. Die ganze Zeit war das Land eigentlich viel Grün und wenig Siedlung aber hier dreht es sich um – nur noch Siedlung überall. Naja wir brauchen 1,5 h für die wenigen Kilometer, sind fast nie außerhalb von Ortschaften und kommen dann endlich am neuen Stellplatz an. Nach dem Abendessen übt Marie weiter aufstehen und dann geht’s ab ins Bett.

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