Tag 34 - Über den Geiern ...

Wir sind gestern einfach hier am Stausee stehen geblieben. Wir stehen hier echt schön unter den Bäumen am See (mit ein paar anderen natürlich, Einsamkeit ist hier nicht). Ich hatte noch ein bisschen recherchiert und noch einen schönen Wanderweg gefunden. Robert hat von dem Guide noch eine Wanderung empfohlen bekommen, die zufällig mit meiner teilweise deckungsgleich war. Somit haben wir entschieden wir gehen heute wandern.

Somit starten wir nach dem Frühsport von Marie. Sie hat Pause in der Trage (da wusste sie noch nicht, dass sie heut länger Pause hat als sonst). Wir steigen vom See hinauf zum Dorf. Vom Dorf hinauf zum Waldrand. Da können wir schon die ersten Gänsegeier starten sehen. Im Wald geht es in Serpentinen hinauf immer näher zum Felsen und den Geiern. Eine Truppe Reiter überholt uns. Wir kommen noch an ein paar Campern vorbei die weiter oben stehen (sind vermutlich alles Kletterer die einen kürzeren Anstieg haben wollen). Das tolle an dem Weg ist, es gibt eine Treppe im Fels – die arabische Treppe – und damit kommt man ganz hoch an die Kante wo die Geier starten. Wenn das nicht genug Motivation ist um sich die ganzen Meter nach oben zu tragen.

Der Weg hoch vergeht wie im Flug. Wir gucken eigentlich nur Geier. Dann landet mal einer wieder im Fels. Dann startet er wieder. Dann kommt ein neuer ziemlich tief. Andere kreisen schon recht weit oben. Es sind unglaublich viele. Noch viel mehr als bei El Torcal. Da bekommt man das Gefühl die Population muss gut erhalten sein. Ich frag mich wie die alle satt werden. So viel tote Schafe und Gämsen muss es erstmal geben. Wir haben leider kein totes Schaf im Rucksack 🙃

Schritt für Schritt gehen wir hoch und höher. Marie schläft ehrlich gesagt und ignoriert alles. Am Fuß der Felswand ist alles voller Kletterer. Das ist ja echt kein Sport für mich. In der Knall Sonne an der wand. Am Seil baumeln und sich irgendwie die Wand hoch arbeiten. Da doch viel lieber wandern. Wir laufen ein Stück parallel zum Fuß der Felswand bis wir die Treppe erreichen.

Die Treppe war aus der Ferne nicht zu erkennen. Die wurde mal eben in den Fels gehauen um nach oben zu kommen. Die erleichtert uns das höher steigen enorm. Von oben haben wir erste tolle Ausblicke und machen eine Pause. Allerdings sind alle Geier auf die andere Seite vom Berg verschwunden. Mphf. Naja. Die kommen auch wieder. Und so ist es dann. Nach fünf Minuten haben wir drei Stück ganz nah über uns. Leider halten sie uns nicht für essen und kommen runter. Für uns geht es dann wieder weiter. Noch ein Stück höher und um die Felsspitze drum rum. Plötzlich haben wir einen Blick nach hinten (also hinter den Berg den wir die ganze Zeit gesehen haben und hoch sind). Da eröffnet sich dann einfach mal so eine Wiese und ein Haus. Hier scheint ein Schäfer seine Finka zu haben oder gehabt zu haben. Es wirkt verlassen. Ein paar Obstbäume und Olivenbäume und eine weite Fläche. Die war von unten nicht zu erkennen. Der Weg führt uns einmal quer über die Fläche. An der gegenüberliegenden Seite gibt es nochmal eine kleine Felswand. Roberts Guide hat uns genau den Gipfel dieser Wand empfohlen und gesagt die Geier kommen immer hier hoch. Naja heut irgendwie nicht so richtig. Ein Teil ist ganz weit hoch über uns. Aber auch hier liegt kein totes Tier sodass sie nicht runter kommen. Da es nur noch 200 Höhenmeter hoch sind wollen wir noch hoch zum Gipfel. Also los. Es geht anfangs über die Wiese und Steine. Dann kommen wir am Fuß vom Felsen an. Aus der Ferne fragt man sich wie man da wohl hoch kommen soll. Wenn man davor steht tut sich plötzlich ein Weg auf. Schräg die Wand hinauf. Quasi viele Stufen über Steine. Immer wieder schön mit Palmen bewachsen. Ein Stück ist dann mit Seilen an der Wand zum festhalten. Nachdem wir dieses schwierigere Stück geschafft haben geht es quasi über die Hochebene noch höher hinaus. Ein Pfad führt uns in Serpentinen nach oben. Die letzten 800 m sind dann nur noch geradeaus ganz leicht ansteigend bis zum Gipfel. Oben treffen wir noch andere Wanderer, die sich schon wieder auf den Abstieg machen. Wir machen erstmal Pause und essen was und genießen den Ausblick. Wir können bis nach Málaga ans Meer schauen. Leider ist es zu diesig um bis Afrika blicken zu können. Hier oben ist heut kein Geier. Aber unter uns kreisen sie. Wir sind somit über den Geiern. Dazu sind ganz viele andere Vögel da (also alles die gleiche Art aber ganz viele davon). Dazu blüht es überall. Wir haben ein paar Spinnen die uns begleiten. Unterwegs ganz viele Eidechsen. Was will der Biologe mehr.

Naja irgendwie müssen wir jetzt wohl zum Auto zurück auch wenn es hier oben sehr schön ist. Da uns alle Wanderer empfohlen haben nicht auf der anderen Seite abzusteigen wie der Rundweg aus dem Internet sagt, weil deutlich länger und steil und Geröll, sondern den gleichen Weg wieder runter zu nehmen, machen wir das auch. Also geht es das ganz wieder abwärts. Ich sag euch: bergauf ist so viel einfacher… runter sieht man zwar den Weg leichter aber es geht viel mehr auf die Knie und Beine als hoch. Naja hilft ja Nix. Zusammen schaffen wir das doch lässig. Marie pennt wieder ein. Die hat echt ein Leben. Wir kraxeln dann mal wieder die Wand hinunter bis zur Wiese. Dort nehmen wir einen anderen Rundweg um nicht die gesamte Strecke doppelt zu laufen. Wir umrunden dabei unsere erste Felswand. Kommen an einen verlassenen Steinbruch und gehen über eine breite geschotterte Straße bergab. Kommen dabei wieder in einen Pinienwald. Dann kommt irgendwann ein Wegweiser noch 3,5 km bis ins Dorf. Das klingt doch top. Der Weg zieht sich dann noch etwas. Wir biegen mal falsch ab und müssen zurück. Wir verlieren Maries Mütze und Robert läuft zurück suchen. Zum Glück wieder gefunden. Nach sieben Stunden kommen wir wieder im Dorf an. Doch etwas platt und verschwitzt aber gut gelaunt und motiviert das alles geschafft zu haben. Zur Feier des Tages gönnen wir uns ein Eis am Kiosk (für die ganzen Tourismus, die erschöpft den Caminito del Rey gelaufen sind… ). Für Marie haben wir knabber Snacks dabei, aber sie will lieber mein Eis klauen. Dieses verfressene Kind. Am Gipfel hat sie mir schon mein Brot weg gefressen. Teilen gehört wohl als Eltern auch zum Alltag 😁

Das heut war eine tolle Wanderung – zwar viele Höhenmeter- aber unglaubliche Ausblicke und höher als die Geier. Das werden wir so schnell nicht vergessen.