Tag 7 - Heute mal bei den Römern
Keine Bauarbeiten am Samstag. Somit konnten wir in Ruhe in den Tag starten. Die Nacht war allerdings eher wild. Marie war um vier wach und wollte spielen. Dazu hat sie gestern angefangen zu husten und heut Nacht lief die Nase. Somit haben wir wohl die zweite Erkältung gefangen und müssen mal sehen wie es die nächsten Tage wird. Hustencreme und Nasentropfen haben wir dabei, somit alles was wir machen können ist da. Da Robert es aber schon seit einigen Tagen hat war es wohl eine Frage der Zeit bis wir es auch bekommen. Vll lag es auch am vielen Regen gestern. Egal. Hilft Nix und macht uns nur härter.
Heutiges Ziel: Orange
Im Reiseführer beworben als „zurück zu den Römern“. Uns erwartet beim einfahren in die Stadt ein Triumphbogen. Dort können kostenlos parken und sind in fünf Minuten im Zentrum.
Hier schreibt Robert zum Triumphbogen:
Beeindruckend. Eine schnurgerade, lange Straße kurz vor Orange. Da ich nicht die Reiseplanung für den Tag gemacht hab (Marie will ja auch Quatsch machen und Bewegung), hab ich damit nicht gerechnet. Lediglich etwas irritiert war ich, da es innerorts ist, aber lange kein Kreisverkehr mehr kam. Irgendwie leuchten mir diese zweispurigen Kreisverkehre bei einspurigen Straßen noch nicht ganz ein.
Wer den Mut hat, gleichzeitig da rein zu fahren, während der andere von innen kommt und eventuell in 5m raus will… da warten wir lieber…
In der Sichtachse tauchte plötzlich der Triumphbogen auf, der Arc de Triomphe d’Orange. Majestätisch. Hab fast verpasst, dass der große Kreisverkehr drumherum einer von der Sorte ist, bei dem man Vorfahrt beim Einfahren hat, aber wenn man einmal drinnen ist, anhalten muss, wenn jemand anderes einfahren möchte. So beeindruckt war ich.
Ich glaube, noch 2 Tage und wir haben dir 150 Kreisverkehre voll 🙈
Nach dem Parken gehts zum Triumphbogen, danach ins Stadtzentrum.
Also zum Bogen: UNESCO Kulturerbe. Datum nicht genau überliefert, die Stadt sagt 20 v.Chr, Wikipedia130 n.Chr., liefert aber auch Bedenken dagegen von vergangenen Restauratoren.
HxBxT: 19m, 20m, 8,4m
Umringt von riesigen Platanen. Die Bäume findet man hier extrem häufig.
Es soll sein ein Gedenkort an den Sieg der Römer über die Gallier. Dazu stand auf dem Schild: als Symbol der Macht Roms un militärischen Ruhm des Reiches als auch Symbol des Friedens und Wohlstands für die Region …
Es steht auf der Achse Rom – Lyon. Etwas außerhalb der Ortschaft (heute wurde es umbaut und befindet sich inmitten urbanen Geländes).
Nachhaltig waren die Franzosen: da es im 13. Jhd. noch vor der Stadt war, hat ein damaliger Prince d’Orange den Bogen genutzt und zur Festung ausgebaut: 8m hohe Türme in top, dazu Wohnräume rein und hat das ganze versucht, etwas abzufangen. Aber dafür war der damalige Bogen nicht ausgelegt…
Inzwischen liegen über 200 Jahre Restauration hinter ihm.
Tolle Kassettendecke, viele Bilder aus Kalkstein der Region mit Schlachten zu Lande und auf dem Wasser.
Ich fand den Zustand optisch echt gut für die Zeit.
So, der Rest nun wieder von mir, also Franzi:
Das Zentrum wird dominiert von einer großen Kathedrale, die aber leider komplett zugebaut wurde und nicht wirklich von außen wirkt. Innen ist sie aber groß und schön restauriert. Noch viel größer ist allerdings das römische Amphitheater, das im 1. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde. Da es eines der am besten erhalten römischen Theater ist und Marie schläft haben wir uns für einen Eintritt mit Audioguide entschieden und haben uns 1,5 h das ganze angeschaut und dazu gelernt.
Der Zuschauerraum hat einen Durchmesser von 103 m, seine Orchestra einen Durchmesser von 30 m. Die Außenmauer erreicht eine Höhe von 35 Metern. Das ganze ist an den zentralen Hügel der Stadt gebaut, sodass die Stufen vom Hügel getragen werden und keine aufwändige Stütze benötigen. Es hat damals ca. 10.000 Zuschauer gefasst, was die ganze Bevölkerung der Stadt war. Uns wurde auch erklärt, dass alle Schichten kostenlosen Zutritt hatten aber strikt getrennt saßen und nicht vermischt wurden, auch die Sklaven. Und das bis zu 65 mal im Jahr! Man wusste, dass man das Volk bei Laune halten musste.
Einiges zu den Theaterstücken haben wir auch gelernt. Zum Beispiel, dass anfangs Komödien und Tragödien gespielt wurden und sowohl römische als auch griechische Stücke. Da die Stücke immer besonderer werden mussten um die Leute zu locken wurde es zunehmend pornografisch. Nero hatte sogar ein Stück mit lebendiger Verbrennung angeordnet.
Dann gab es eine Zeit in der Theater verboten wurde. Da wurde dann einiges zerstört und der Dachstuhl durch die Barbaren in Brand gesetzt. Zum Glück hat sehr viel überlebt. Die oberen Ziegel sind durch die Hitze rot verfärbt und hätten eine originale Rekonstruktion des Daches nicht mehr getragen. Man hat es 2006 sehr aufwändig und akustisch sinnvoll erneuert, jedoch nicht an die damalige Optik angepasst, da nur die über 100m entfernten Wände den nötigen halt baten.
Bereits damals gab es einen Vorhang der allerdings nach unten in den Boden verschwand und die Akustik wurde gekonnt gewählt und durch die Bauweise gefördert.
Die Statue mittig oben zeigte römische Kaiser und ist 3,5 Meter hoch. Auch hier wurde auf Nachhaltigkeit wurde geachtet: da die Lebenserwartung im römischen Reich noch nicht der heutigen entsprach, gestaltete man den Kopf auswechselbar. 😉
Das Ganze war sehr beeindruckend und der Besuch hat sich gelohnt. Hier ist die Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe gerechtfertigt.
Anschließend waren wir noch im städtischen Museum für Geschichte und haben viele alte Gegenstände aus dem Theater und umliegenden Ausgrabungsstätten angeschaut.
Nach einem Stopp beim Bäcker ging es dann zum Auto zurück zum Mittagessen. Eigentlich müssen wir noch viel länger in Frankreich bleiben um uns durch die ganzen Kuchen zu probieren 😁
Weiter ging es für uns am Nachmittag nach Avignon. Da soll es Brücken geben…, weiß Robert von irgendeinem französischem Lied. Und der Papst war auch schon da… (wie Westernhagen anmerkte).
Ja wir legen aktuell kaum Kilometer zurück und gurken mehr in der Gegend rum, aber wenn wir schonmal hier sind….
Mein ausgewählter Stellplatz war leider ein Lagerplatz für Baustellenfahrzeuge. Anscheinend reparieren die nur im Winter… wir versuchen uns irgendwie durch die Umleitung zu navigieren und landen in einer Sackgasse an einem Campingplatz. Eigentlich wollten wir heut noch keinen. Aber was soll’s. Bevor wir noch ewig Parkplatz suchen und weit laufen buchen wir uns einen Stellplatz. Es ist gut voll aber wir bekommen eine Lücke.
Wir machen uns bei strahlendem Sonnenschein und heftigen Wind auf in die Stadt.
Das Wahrzeichen der Stadt ist die Pont Saint-Bénézet. Das ist eine Mitte des 14. Jahrhunderts errichtete, seit 1660 als Ruine bestehende Bogenbrücke über den Fluss Rhone (bzw. nur einen Teil). Die im 12. Jahrhundert erbaute Brücke stützte sich auf 22 Bögen und hatte eine Gesamtlänge von schätzungsweise ca. 915 m, womit sie zur damaligen Zeit die längste Brücke Europas war. Heute stehen davon nur noch vier Bögen.
Zweites Highlight der Stadt ist der Papstpalast. Zwischen 1335 und 1430 war hier die Residenz verschiedener Päpste. Die mächtige Palast-Anlage ist in zwei Bauphasen errichtet worden. Sie sieht auf den ersten Blick wie eine Festung aus, innen gleicht sie eher einem Schloss. Aufgrund der Bedeutung als Papststadt wurde die ganze Stadt entsprechend pompös gebaut. Ein großes altes Haus reiht sich an das nächste. Die gesamte Altstadt mit dem Papstpalast und der Brücke zählt zum Weltkulturerbe. Wir sind am Abend eine entspannte Runde durch die Gassen gegangen und haben uns von der Sonne und den anderen Menschen treiben lassen. Das ist wirklich mal eine schöne Stadt mit Leben und trotzdem unglaublich sauber und ordentlich.
Auch Robert war positiv überrascht. Nachdem uns Montélimar etwas geschockt hat Schulnoten 5-, hat man sowohl in Orange als auch in Avignon sich sehr viel mehr Mühe gegeben.
Weniger Wind, ein paar Grad mehr und es lässt sich sehr gut aushalten.