Tag 6 - Noch mehr Dörfer und ein Canyon
Die Sonne lacht uns am Morgen an und wir starten mit Energie in den Tag. Wir nutzen den Campingplatz zum Wasser auffüllen und Abwasser entsorgen und machen uns dann auf den Weg.
Heute sagt meine Reiseplanung: zwei der schönsten Dörfer Frankreichs und ein Canyon.
Dorf Nummer eins ist Vogüé.
Das Dorf liegt am Ufer der Ardèche am Fuße einer Steilwand aus Kalkstein rund zehn Kilometer südlich von Aubenas.
Es lebt laut Wikipedia vom Tourismus mit seinen ca. 1000 Einwohnern. Wir kommen an und die Sonne lässt die Burg erstrahlen. Der erste Parkplatz ist so eng einzufahren…. Nehmen wir nicht. Am Ende des Ortes gibt es noch einen großen Parkplatz. Die Verkehrsschilder sind verwirrend. Da steht für Wohnmobil verboten zwischen zwei Straßen. Völlig unklar für was das zählt. Wir parken trotzdem dort. Es ist Winter und Nix los, da wirds keinen stören. Das Dorf ist menschenleer. Es gibt schöne alte Steinhäuser und die engste Gasse in Frankreich. Gerade so breit wie ich. Platzangst darf man hier nicht haben.
Wirklich was los ist nicht. Kein Café geöffnet, kein Geschäft oder sonstwas. Bin ja fast neugierig wie das im Sommer ist. Nach einem Rundgang und einem Schlaf für Marie gehen wir zurück zum Auto. Wir fahren 7 km weiter.
Das zweite Dorf ist Balazuc.
Der Ort thront malerisch gelegen auf der Spitze eines steilen Felsenhanges, der die Ardèche überragt und ist deshalb als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert. Auf den Schildern wird überall für einen Ort mit Charakter geworben. Charakter heute: verschlafen. Die Umgebung ist grandios. Der Fluss und die Felsen laden zum wandern ein. Das Dorf klebt am Fels. Aber es sind irgendwie halt doch nur Steine aufeinander. Ein Rest einer Kirche. Ein Rest einer Burg. Hier und da ein Torbogen. Super viele kleine verwinkelte Gassen. Kaum Menschen aber da es mittlerweile Mittag ist noch ein paar andere Touristen. Verhungern müssten wir aber auch hier, da kein Restaurant offen hat. Gut dass wir einkaufen waren :). Es gibt noch ein Museum über die Steinzeit mit Dinosaurierskeletten. Aber auch das hat im Winter geschlossen. Das was wir von außen sehen sieht aber schön aus und hätte uns nach drinnen gelockt. Was soll’s, vll später irgendwann mal.
Der Ort mit seinen vielen alten Steinen hat auf jeden Fall Geschichte zu bieten. Das Gebiet rund um Balazuc war bereits in der Steinzeit bewohnt. Das beweisen Funde aus der Jungsteinzeit und dem Ende der Bronzezeit. Überreste aus der Antike zeigen, dass der Ort schon von Galliern bewohnt war. Damals diente das Dorf als Festung zur Verteidigung gegen die römische Eroberung. Die Römer nutzten es dann als Verbindungsroute nach Norden.
Fazit: sehr nettes kleines Dörfchen. Aber auch hier wäre der Trubel im Sommer zum Vergleich schön.
Marie ist eingeschlafen. Da es regnet und wir alles gesehen haben, versuchen wir sie schlafend ins Auto zu packen. Klappt leider nicht. Somit war es ein sehr kurzer Power Nap.
Weiter geht’s für uns nach Vallon-Pont-d’Arc. Ein im Vergleich zu den letzten beiden Orten großer moderner Ort (2.500 Einwohner). Outdoor Fans kommen hier im Sommer mit Kajak und anderen Wassersport Aktivitäten auf ihre Kosten. Für uns ist das dieses Jahr nichts und es hat auch noch alles geschlossen. Aber hier beginnen die 30 km langen, spektakulären Gorges de l’Ardèche mit dem 60 Meter hohen Natursteinbogen Pont d’Arc, der für den Ortsnamen als Zusatz gewählt wurde. Ein Canyon der sich sehen lassen kann. Leider fahren wir die ganze Strecke im Regen, aber trotzdem beeindruckend schön.
Das Glück war heut auf unserer Seite. Direkt am Eingang der Straße stand ein Bauarbeiten Schild mit Straße gesperrt. Als wir wenden wollen und ich im Navi eine neue Route suche kommt ein Fahrzeug mit Bauarbeitern, die in den Feierabend wollten und sagt es ist ok wir können rein fahren. Somit können wir doch los. Glücklicher hätte der Zufall für uns nicht sein können. Sonst hätten wir das ganze Schauspiel verpasst.
Der Pont d’Arc ist eine natürliche Steinbrücke über die Ardeche. Sie ist 60 Meter lang, 54 Meter hoch und liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Vallon-Pont-d’Arc in Richtung Saint-Martin-d’Ardèche. Touristisch gut erschlossen und über einfache Wege kommen wir zum Aussichtspunkt. Entstanden ist der Pont d’Arc, als die Ardèche im Altpleistozän an der engsten Stelle einer Flussschleife, des Cirque d’Estre, die natürliche Barriere des Kalkgesteins durchbrach und den Cirque d’Estre trocken legte. Festeres obenliegendes Gestein wurde nicht abgetragen, sodass sich der Durchbruch als Steinbrückenbogen erhielt. Die tiefe Abtragung des Flussbettes erfolgte nur während der Messinischen Salinitätskrise. Die Entstehung wurde in verschiedenen Statuen dargestellt. Man kann irgendwie auch über den Bogen wandern. Aber es sieht nach viel Kletterei aus und heute nichts für uns. Wir genießen nur den Ausblick aus verschiedenen Richtungen im Nieselregen. Marie nutzt den Spaziergang wieder zum schlafen 🙂 unser Kind ist echt top und verschläft alles und spielt im Auto 🙃
Die Region ist bekannt für mehrere Höhlen unter anderem mit den Höhlenmalereien. Die Höhlen sind im Winter natürlich auch geschlossen nur ein Museum mit Nachbau hat geöffnet. Die werben mit drei Stunden Führung, sodass wir das auch streichen. Wir fahren einfach nur den Canyon entlang und genießen die Aussicht mit Regen. Die Strecke können wir allen nur empfehlen und irgendwann kommen wir im Sommer nochmal.
Unterwegs kommen immer wieder Ziegen auf die Straße gelaufen. Die stört der Regen wohl nicht.
Am Ende des Canyons finden wir einen Stellplatz vor einem geschlossenen Campingplatz. Der Parkplatz ist offen und kostenlos. Allerdings von Baustellenfahrzeugen halb belegt. Wir finden eine freie Ecke und rechnen damit morgen früh durch Bauarbeiten wach zu werden. Schauen wir mal wie das hier an einem Samstag ist. Aber wir stehen sicher und weg von der Straße und können auf eine ruhige Nacht hoffen.