Tag 65 - Santiago de Compostela: das Ziel des Jakobswegs

Es regnet heute Morgen. Gut dass wir gestern bereits schaukeln waren. Nachdem wir irgendwann nur noch Nieselregen hatten machen wir uns los zu einem Strandspaziergang – hierfür sind wir schließlich auf der Insel. Es reiht sich ein Strand an den nächsten. Alle schöner Sand umrahmt von einigen Felsen. Möwen sitzen hier und da. Die Wellen rauschen. Robert kann dem Ganzen nix schönes abgewinnen. Aber an sich ist es super schön und bei gutem Wetter kann man bestimmt auch entspannte Stunden am Strand verbringen, Muscheln sammeln und im Wasser planschen. Dazu ist es heut bei Nieselregen echt zu kalt. Wir kürzen final auch ein paar Buchten ab um nicht ganz durchweicht am Auto anzukommen. Da Robert der Fotograf ist und ihm nicht viel gefallen hat, gibt es nur wenig Bilder.

Um zu trocknen fahren wir mit dem Auto zum nächsten Ziel: Santiago de Compostela. Das Ziel des Jakobswegs und vieler Pilgerer. Wir hatten die letzten Tage ja bereits immer wieder Schilder zum Jakobsweg gesehen und bisher alle Streckenabschnitt für schrecklich befunden. Heut sieht das nicht besser auch. Auch die Strecke ist hässlich, führt durch viel Siedlung, Industriegebiet, wenig Natur und immer an der Straße entlang. Meist unter einem Meter. Einmal kam ein Schild in der Ortschaft, statt 90km/h stand da die 80km/h und sowas wie „Vorsicht Fußgänger“… Die Stadt selbst begrüßt uns mit hässlichen Häusern und einer wilden Straßenführung. Wir wollen erst noch schnell Baguette zum Mittagessen kaufen. Die Parkplatzsuche gestaltet sich echt schwierig. Alles ist voll oder nicht für Camper oder im Parkhaus wo wir nicht reinpassen. Nach einer dritten Runde haben wir Glück, eine letzte Lücke ist frei und die nehmen wir uns. Dann kurz einkaufen. Dann fahren wir zu einem Wohnmobilstellplatz. Der liegt etwas am Rand aber ist riesig. Da ist der Weg in die Stadt etwas länger aber wir können problemlos stehen. Erstmal essen wir was. Dann geht’s los ins Zentrum. Was genau uns erwartet wissen wir nicht, nur eine Kathedrale haben wir recherchiert und beim Rest lassen wir uns überraschen. Wir spazieren noch ca. 2 km auf einem der offiziellen Wege. Anfangs ist der auch super ausgeschildert. Doch dann sind wir verloren auf dem Jakobsweg und finden keine Zeichen mehr, wahrscheinlich hat ein Lieferwagen das Schild zu geparkt. Zum Glück gibt es das Handy (eine göttliche Fügung kam leider auch nicht). In der Stadt steht ein altes Gebäude neben dem anderen. Hier ne Kirche für x und da ne Kirche für y. Alte Steine wohin man guckt. Wobei auch die normalen Häuser alt sind und viele eigentlich abgerissen gehören. Inmitten der Altstadt. Ne schöne Stadt ist das echt nicht. Die Kathedrale ist dann aber bombastisch: groß, groß und groß. Von außen schön gemacht, viele Verzierungen, hohe Türme, große Glocken. Vor der Kirche ist eine schöne, euphorische Stimmung. Einige Wanderer, die sich freuen ihr Ziel erreicht zu haben. Es ist zwar unklar von wo sie gestartet sind, aber sie sind stolz auf sich und ihre Leistung. Viele machen Fotos von sich und dem Bauwerk. Wir haben es uns da diesmal echt einfach gemacht und sind mit dem Auto gekommen :/ , aber Pilgerer sind wir dadurch nicht, denn Pilgerer kommen entweder zu Fuß, per Pferd, Rad oder mit Rollstuhl.
Wir wagen uns dann doch als eher ungläubige ins Innere. Der Großteil im Inneren ist schmucklos und unscheinbar. Die Decken sind einfach verputzt ohne Schnörkel oder sonstige Verzierung. Aber in der Mitte gibt es einen Altar mit viel Gold und Glitzer. Das Zentrum der Kirche, dass alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. An den Seiten gibt es immer wieder kleine Altare die auch schön gemacht sind. Das Highlight scheint das Grab des Apostels Jakobus zu sein, das angeblich hier sein soll. Man darf in einem unterirdischen Raum und sieht keine Ahnung was (Anmerkung Robert: die Gebeine des Jakobus als Reliquie in einer silbernen Metallkiste). Ich bin mit Marie schnell wieder raus. Platzangst darf man da auch nicht haben. Nach dem Raum wird man automatisch hoch hinter den Altar auf eine Empore geführt und kann eine silberne Statue von hinten angucken (und knutschen wenn man will, lag hoch im Kurs) und hat Blick in die Kirche. Alles schon ein bisschen eigen. Aber für viele auch sehr wichtig und wohl etwas besonderes. Naja wir gucken uns das ganze mal an, wenn wir schon hier sind. Danach gehen wir noch eine Runde durch die Stadt. Aber es gibt Nix außer ein paar Souvenirläden. Einige davon wirkten wie Raumausstatter für Kirchen, anderer verkauften Muscheln und Wegweiser an Touristen oder Pilger er, die noch Platz im Rucksack haben…. Die Restaurants lachen mich alle auch nicht an. Somit gehen wir zurück zum Auto. Da wir schneller waren als gedacht und uns der Platz für die Nacht nicht wirklich gefällt, fahren wir nochmal los. Ziel ist wieder das Meer und das Kap de Fisterra. Auf dieser Landzunge soll der westlichste Punkt Spaniens liegen. Aber irgendwie widersprechen sich die verschiedenen Reiseführer und wir müssen nochmal recherchieren welcher Punkt das nun ist. Auf jeden Fall stehen wir oben an einer Klippe am Meer und haben schöne Aussicht (zumindest theoretisch, es regnet nämlich und ist echt wolkig, aber vll wird es morgen besser). Wir hoffen jetzt auf eine ruhige Nacht ohne Sturm und kuscheln uns warm ein.

Im Camper hat Robert noch ein wenig recherchiert. 1987 wurde der Jakobsweg etabliert, die gängigsten Routen sind von Frankreich über die Pyrenäen oder an der spanischen Nordküste entlang. Sind jeweils 800km lang.
Ein Weg startet von unserem heutigen Punkt (Fisterra), ist aber nur 81km und da gibt es keine Urkunde (für die muss man nachweislich 100km pilgern).
Warum gerade Santiago de Compostela? Es war neben Rom und Jerusalem der wichtige Wallfahrtsort im Christentum. Warum? Der Apostel Jakobus ist nach Spanien gereist. War beim Missionieren aber nicht so erfolgreich. Als er zurück nach Judäa kam, lies sein König ihn 44n.Chr. enthaupten.
Jetzt gibt es mehrere Legenden, wie seine Gebeine ins heutige Santiago de Compostela gekommen sind.
Auf jeden Fall hat im 9.Jhd. ein Eremit eine Lichterscheinung gesehen. Dies wurde dem örtlichem Bischof vorgetragen und tatsächlich ein Grab fand. Demzufolge ernannte der Bischof den Fund als Grab des heiligen Jacobus. (Heute zeigten Ausgrabungen, dass da Militärlager der alten Römer und eine suebische Siedlung war (über 7Jhd. hinweg).
Das tut der Sache aber keinen Abbruch und zieht weiterhin ca. eine halbe Million Pilgerer jedes Jahr in die Stadt.