Tag 74 - Picos de Europa: die Berge bei Fuente Dé

Nachdem wir die Nacht kein Gewitter hatten aber das Wetter trotzdem ganz gut aussieht fahren wir nochmal in die Picos rein. Ein anderes Tal, andere Berge und neue Einblicke. Die Parkplätze sind begrenzt, der große Platz für Wohnmobile verboten, ein winziger Platz erlaubt, aber voller PKWs (da ist der Weg zur Seilbahn kürzer), aber voll. Wir fragen an einem Hotel, aber das will kein Geld verdienen und schickt uns weg. Final stehen wir auf dem Busparkplatz, das ist zwar eigentlich auch verboten aber wohl geduldet. Zumindest schicken uns alle dorthin und es stehen noch mehr hier. Von hier führt eine Seilbahn steil die Felswand hinauf in die Berge.
Oben gibt es dann ein paar Seen und einen Gipfel den man wohl erklimmen kann. Nachdem ich eine Erkältung habe und doch irgendwie platt bin und man mit Säuglingen ja eigentlich keine Seilbahnen und hohe Bergtouren machen soll, beschließe ich mit Marie am Auto zu bleiben. Wenn am Ende sie die schnelle Höhe nicht verträgt hat keiner was davon.
Robert schnappt sich den Rucksack und düst zur Seilbahn. Wir bleiben am Auto, essen, schlafen, spielen, essen, schlafen und spielen. Marie hat meine Erkältung tatsächlich noch nicht, aber ich befürchte das ist nur eine Frage der Zeit. Unser Tag ist somit sehr entspannt und unaufgeregt.

Ja, die liebe Parkplatzsuche…
StatusQuo: legal dürfen wir im Ort nicht mehr stehen.
Camperparkplatz voll mit PKW, PKW-Parkplatz recht leer, aber verboten, das Hotel will uns nicht. Letzter Ausweg: der Campingplatz am Ende der Straße: fast ein km Feldweg. Nichts für lange Wohnmobile, kaum Wendemöglichkeiten… war geschlossen. I-Tüpfelchen wäre gewesen, das vorn am offiziellen Campingplatzschild anzumerken…
Insgeheim hab ich gehofft, dass mir nicht noch andere Camper in den Wald gefolgt sind. Eigentlich wollte ich Franzi fragen, ob sie nicht den Camper rückwärts aus dem Feldweg und Wald fahren wollte, aber Marie fand das alles nicht so lustig und so hat Franzi gestillt…

Ich fand mich an Argentinien zurückerinnert. Immer mehr Gesetze und Regelungen, die teilweise abstrus sind, führen nur dazu, dass sie allenfalls als Empfehlungen zur Kenntnis genommen werden.
So auch hier: Camper parken inzwischen auf dem PKW-Parkplatz. Ein Holländischer sogar in der Einfahrt noch vor der Höhenbeschränkung. Die meisten Camper stellen sich jetzt auf einen der ca. 20 Busparkplätze entlang der Straße.
Wir hatten zwei Möglichkeiten: entweder unverrichteter Dinge wieder fahren (aber Franzi ging es nicht so gut) oder: unser Auto identifiziert sich heute als Bus. Ich hab noch kurz an die Busfahrer gedacht, wie viele da noch kommen mögen, bin aber zu dem Entschluss gekommen, sollen die runter auf den PKW-Parkplatz. Immerhin sind Busse dort nicht verboten. Sollen sie sich Gedanken um den Abbau der Höhenkontrolle machen… (würde der Argentinier denken).

Es war 11:47Uhr, als Franzi entschied, mit Marie unten zu bleiben und sich etwas zu erholen. Gemäß Website fuhr die Seilbahn jeweils nur zur vollen und halben Stunde.
Um 11:58Uhr hatte ich das Ticket, stellte mich an. Hinter einer Schulklasse. Aber es war keine Gondel zu sehen. Auch das ist Spanien: der Fahrplan sah wie folgt aus: 20 Personen gehen in die Gondel, wenn die voll sind, wird gefahren. Ist mir recht. Bis viel Leute von der Feuerwehr kamen und die Technik der Anlage (Schwungrad, etc)/akribisch beäugten. Franzi hatte sie zuvor, außen mit Ferngläsern die Seile begutachtend, gesehen.Wird schon gut gehen.
Gondel kommt, Leute raus, Schulklasse rein. Ähm fast: eine Schülerin vor mir muss draußen bleiben, der spanische Lifttyp lässt sie nicht rein, wegen Personenlimit. Eigentlich waren die Türen zu, gingen aber wieder auf, denn da kam der Lehrer gerannt, hat festgestellt, dass die Schülerin fehlte und monierte das beim Lifttyp, der ihm wiederum die Sachlage darlegte. Der Lehrer entschied, bei der einzelnen Schülerin zu warten. Mit zwei anderen Schülerinnen. Dann wollte der Lifttyp die Türe schließen und die Bahn fahren lassen. Da musste ich intervenieren… Der hätte echt 17 Leute hochgeschickt und ich wahrscheinlich noch 30min, wenn nicht gar länger, da zu wenig Fahrgäste…

Manchmal denke ich mir, bin ich einfach noch nicht in Spanien angekommen…


Oben wollte ich einen Berg besteigen.
Die Bergstation hatte ein Restaurant und Toiletten und ein kleines Museum mit Ausblick. Von dort aus ging es relativ eben zu kleineren Seen. Das war die Idee von Franzi: hochfahren, mit mir zu den Seen, dann was Essen und wieder runter.
Aber man muss halt die Rechnung mit den Spaniern machen: oben ist alles cerrado – geschlossen. Komplett. Und das erzählt dir unten keiner oder hängt kein Schild. Ein paar französische Rentner fanden das auch weniger gut, wie sie lautstark kund taten…

Auf zum Torre de los Horcados Rojos (2503m), das Tal oben in den Bergen war OK, aber nicht atemberaubend. Es hatte ein eigenes Klima. T-Shirt hat gereicht.
Leider kam ich nicht bis zum Gipfel. Der Weg verlief über Schneefelder, die abtauten (manchmal macht man einen Schritt und ist bis zur Hüfte eingebrochen, weil es drunter schon hohl ist, außerdem kostete der Schnee gut Kraft.
Auf einem Plateau traf ich dann 4 Leute, einer war Bergführer.
Der Bergführer hatte uns gleich abgeraten, ohne Krampen weiterzugeben. Die kommenden Schneefelder sind zu steil am Hang. Absolut nachvollziehbar.
Danach ging er mit einer Person und der angelegten Ausrüstung weiter.
Die anderen zwei drehten um, ich genoß noch die Ruhe und ging zurück.
Auf der Karte habe ich noch eine ehemalige Mine gefunden, der hab ich einen Besuch abgestattet.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier vor allem Smithonit gefördert, aus dem man u.a. Messing herstellen kann.
Von der Mine sieht man nur noch Grundmauern, dazu einige Eingänge, aber meist verschlossen. Ein Eingang war nur mit Schnee verschlossen, da kam man rein, der Gang ist um dir 100m lang, stand aber gut unter Wasser.
Die Tierwelt war komplett mau, Landschaft war OK, aber ich beschloss, den Weg runter ohne Seilbahn zu nehmen. Es gab einen 14km Wanderweg. Ziel war, den zügig zu gehen, bzw zu Joggen und das Nachbartal zu sehen. 5min ging der Plan auf, dann zog Nebel rein.
Wieder mal aus gebremst wurde ich von Hunden in einer großen Viehherde. Aber die Landschaft war gut.

Das Ziel: der Berg in der Mitte
Die alte Mine
Große Viehherden mit mindestens drei Wachhunden...

Am Ende kam ich beim PKW-Parkplatz raus, an der Höhenkontrolle stand: 2,90m. Optisch waren das eher 3,50m.
Franzi meinte, ein Bus hatte kein Parkplatz gefunden und stand in der Wendeschleife…
Gut, dass keine Hauptsaison ist.