KW 27 - maulig und leidend
Unsere Woche startet wie immer mit einem sehr vollen Montag. Es ging bei der physio schon nur mäßig (Marie hatte Hunger, weil sie vorher alles Frühstück verweigert hat). Dann sind wir ganz schnell heim, da der Maler kommt. Der war super schnell und freundlich und hat die Wand zum Flur neu gemalert und wir hoffen, dass kein Schimmel neu kommt (wir hatten nach dem Winter Flecken entdeckt und das direkt der Hausverwaltung gemeldet, die uns eine Malerfirma zum abklären geschickt hat). Dann haben wir was gegessen und Marie musste unbedingt rechtzeitig einschlafen. Sonst können wir um zwei die Frühförderung nämlich vergessen. Nach dem schlafen düsen wir also wieder in die Stadt und spielen dort (das nennt man dann Frühförderung 😅). Diesmal haben wir geübt, Dinge durch einen Schlitz werfen. Hat – ehrlich gesagt – noch nicht gut geklappt, da aber auch Dinge in eine große Box werfen nicht klappt, war das nicht weiter verwunderlich. Somit üben wir einfach weiter. 😂 Bis jetzt ist Weg werfen das Highlight. Direkt im Anschluss sind wir zum Kinderarzt: impfen. Die vorerst letzte 6-fach Impfung war dran. (Dann hat man endlich Pause bis zur Schuleinführung – aber nur bei der 6fach, drei andere fehlen uns noch 🙃). Auf dem Heimweg ist sie eingeschlummert. Am Abend ging es dann für uns noch mit den Nachbarn zum Essen. Wir wollten uns für die Briefkasten-Betreuung während des Urlaubs bedanken und hatten zum Essen gehen eingeladen. Da die beiden im Schichtdienst arbeiten, war die Terminfindung nicht einfach und der Montag ist es geworden. Marie war nach dem Schlaf gut gelaunt und begeistert beim Pizza essen. Sie hätte am liebsten gleich meinen ganzen Teller geklaut. War am Ende aber mit Stücken Rand zufrieden. Essen war super lecker. Das angekündigte Gewitter kam nicht und wir saßen sehr gemütlich auf der Terrasse. Irgendwann wurde Marie ungeduldig und wir haben uns auf den Rückweg gemacht. Im Auto haben wir schon gemerkt, dass das Fieber jetzt doch kommt. Als wir daheim ankamen war sie schon ganz heiß und sehr leidend. Auf den Arm schaukelnd ist sie dann irgendwann eingeschlafen. Im Bett liegen ging heut gar nicht. Sobald wir uns hingelegt haben, hat sie das Schreien angefangen. Naja haben wir auf dem Sofa im sitzen geschlafen und Robert hatte Platz im Bett.
Am Dienstag morgen war das Fieber immer noch, oder besser gesagt: wieder bei 38,9°C und Marie entsprechend schlecht drauf. Mit Zäpfchen geht der Tag einigermaßen. Aber sie will nicht turnen und nur auf dem Arm sein. Mittags hat sie dann zwei Stunden geschlafen. Verschnaufen für mich und Erholung für den Körper. Am Abend ist sie dann knautschig und müde um acht schon wieder eingeschlafen. Echt verrückt, wie sehr der Körper durch die Impfung arbeitet und leidet. Den Kindergarten haben wir heut dementsprechend weg gelassen.
Der Mittwoch startet mit schlafen. Marie schläft bis kurz nach zehn. Das sind dann 14 Stunden am Stück 🙈 die Nacht war zwar holprig, da uns das Gewitter geweckt hat. Aber dadurch wurde es auch endlich kühler. Marie holt sich einfach den Schlaf den sie braucht. Das Fieber sinkt endlich ohne Zäpfchen. Sie ist aber immer noch sehr launisch und sturköpfig. Aber sie spielt auch mal allein und mit mir. Es wird langsam wieder.
Donnerstag ist das Fieber weg und sie schläft nicht mehr ganz so viel. Aber so richtig gut drauf ist sie noch nicht. Sie will turnen, aber es kappt nicht so recht. Am Nachmittag müssen wir nochmal beim Kinderarzt vorbei und dann zur Physiotherapie. Da beschließen wir am Vormittag schon zu starten und eine Runde in den Zoo zu gehen. Heut ist es trocken und vll nicht ganz heiß (war dann zwar doch gut warm, aber ging). Im Zoo gucken wir Tiere, Marie schläft eine Runde und streichelt Ziegen. Dann geht’s zurück in die Stadt zur Physio, dann einkaufen und nach Hause. Dann haben wir alle Termine für die Woche abgearbeitet.
Am Freitag hat Robert Urlaub. Gezwungenermaßen. Alle müssen Urlaub nehmen, damit keiner am Freitag Nachmittag noch nach Hause muss, wenn die ganzen Demonstranten anreisen. Da der AFD-Parteitag in Erfurt ist, ist die Stadt im Ausnahmezustand. Es soll so viel Polizei kommen wie noch nie. Mal sehen, wir werden die Innenstadt meiden und hoffentlich nichts davon mitbekommen. Der Tag vergeht recht schnell ohne Besonderheiten. Am Abend fährt Robert mit dem Camper nach Fröttstädt. Dort starten morgen um 4 Uhr der 18. Thüringen Ultra.
Der Samstag ist gefüllt mit dem 100km – Lauf für Robert und wir sind der größte Fan an der Strecke. Dieses Jahr hat Robert einen lieben Arbeitskollegen gefragt, ob er Lust auf Radbegleitung hat. Mit Marie bin ich da dieses Jahr leider auch wieder raus. Mit Begleitung macht sich das Rennen aber viel schöner, daher freuen wir uns dass René mit fährt. Während die beiden um 4 Uhr starten, schlaf ich mit Marie aus. Wir frühstücken entspannt zu Hause und starten dann nach Tambach- Dietharz. Wir treffen die beiden bei Kilometer 68 (also 2/3 liegen bereits hinter ihnen). Nach einem schnellen Kuss für uns gehts für Robert gleich weiter. Wir fahren dann erstmal einkaufen (wir wollen ja auch was essen…) und treffen dann an der Marienglashöhle wieder auf die beiden. Mit einer Glocke wird angefeuert und zack sind sie vorbei gerannt. Einen dritten Stopp an der Strecke haben wir noch. Diesmal an einer Straßenquerung. Manchmal muss man da warten wenn Autos kommen. Robert hat Glück, es kommt keiner. Für uns heißt das aber auch keine Pause, sondern direkt weiter laufen lassen. Final erwarten wir die beiden dann im Ziel nach 100 km. Diesmal war Robert ein ganzes Stück schneller als die beiden letzten Jahre und hat nur 10 h und 36 Sekunden gebraucht. Im Ziel müssen sich beide erstmal erholen. Den restlichen Tag verbringen wir dort. Bis Robert irgendwann duscht, bei der Massage war und was gegessen hat ist Abend. Ich fahr mit Marie wieder nach Hause und Robert schläft noch eine Nacht im Camper dort. So kann er den Abend mit den andern Läufern feiern und quatschten. Und ehrlich gesagt will ich in der Nacht kein Bett mit ihm teilen, der ist heiß und strampelt und braucht viel mehr Platz als sonst 😂 da nehm ich – ausnahmsweise – eine Nacht getrennt.
Am Sonntag passiert dann nicht viel. Robert kommt im laufe des Vormittags zurück, wir essen zu Mittag und spielen. Dann geht’s auch schon los zur nächsten Woche.
Jetzt noch die Zusammenfassung von Robert vom Laufwochenende:
Freitag mit dem Camper zur Nudelparty auf den Sportplatz Fröttstädt. Aber so voll war es noch nie. Alles voller Zelte, Camper, Leute, die im Kofferraum schlafen oder auf der Liege im Zelt. Ich durfte andere Camper einparken, da ich vermutlich eher zurück sein werde. Direkt 50m vor der Startlinie. Top Stimmung, viele kennen sich. Der ThüringenUltra ist der 100km-Lauf mit den meisten Startern in Deutschland. Es kommen Starter aus den Niederlanden, Finnland, Chile und Paraguay. Früh schlafen war auch nicht drin. Und drei Uhr nachts startete der Tag. Aufstehen mit ACDC (Lautsprecher steht an der Startlinie, Wecker war völlig unnötig), dann steigerte sich sich das Ganze mit Motivationsmusik par Excellence.
Optional gab es herzhaftes Frühstück. Da hab ich meine Finger davon gelassen. Keine Experimente.
René kam später, da die A71 bei Erfurt schon gegen 3Uhr gesperrt war.
Hab ihn eher scherzhaft gefragt, ob er das machen würde. War aber sofort dabei. (Er ist mit 50 seinen ersten Marathon gelaufen und plant nächsten Mai den Rennsteig Supermarathon mit 74km zu laufen).
René nahm zum Glück das MTB seiner Frau statt seinem Trekkingrad und direkt danach gab es die Weisheit des Tages:
„Laufen, bis es nicht mehr geht – dann gehen, bis es wieder läuft…“
4Uhr, Start: in der Nacht durch Fröttstädt. Es stehen Zuschauer an der Straße. Verrückt.
Das Wetter ist mit 10Grad so kalt, dass manche einen Pullover an hatten. Mein letzter Lauf war ein Halbmarathon bei 38 Grad, in der Hoffnung, dass es nicht so heiß wird.
Es lief gut, durch die dunklen Wälder ging es zum Sonnenaufgang in die Berge. René macht ein top Job, gerade Berg auf ist ein dran bleiben quasi nicht möglich. Und wenn er schieben muss, hat er noch das Gerümpel dabei… Wichtig wird er hinten raus, wenn es heiß wird und ich viel mehr Wasser brauch. Für die Motivation.
Er war begeistert von der Ausschilderung und von den Verpflegungsständen, hat meine Getränke aufgefüllt, während ich mir nur ein Stück Banane in Salz gegönnt habe. Ziel war, dass ich keine Zeit verliere. Also alles aus dem Laufen heraus.
Tiefs gab es auch, so bei km 38 und dann mit dem Respekt vom großen Anstieg von km 55 bis 61. Da wollte ich etwas langsamer hoch, als die Jahre zuvor, um hintenraus etwas Reserven zu haben.
Insgesamt hab ich unterwegs ab km 38 nur noch einen Läufer gesehen, den ich kurz vor Schluss noch strategisch sinnvoll überholen konnte.
Abwechslung boten nur die 2*50km bzw 4*25km Staffeln, die logischerweise etwas schneller unterwegs sind. Da darf man sich nur nicht mitreisen lassen.
Die letzten km zogen sich dann durch die Felder und das Industriegebiet, aber die Einwohner haben sehr viel Wasserwannen und Getränkekisten bereitgestellt, dass die Sonne dann (zumindest bei mir gegen 14Uhr) nicht das Problem darstellte.
Franzi war mit Marie dann immer wieder an der Strecke und hat angefeuert, das hat super motiviert und hat uns dann im Ziel empfangen. Mit einer Gesamtzeit von 10:00:36 hh:mm:ss bin ich sehr zufrieden, auch, wenn ich irgendwann mal unter den 10h sein wollte, ärgere ich mich nicht. Ohne René wäre das nicht möglich und das Training war auch nicht besonders zielgerichtet….
Im Anschluss gab es ein Zielbier, während vereinzelt Teilnehmer ankamen.
Wer schnell duscht, konnte zur Massage (später steht man da Schlange, wenn der Großteil angekommen ist), dann gabs die Siegerehrung. Dieses mal ohne mich, ich war zwar heute schneller als meine letzten Teilnahmen, aber in meiner Altersgruppe reichte es nur für Platz 4.
Als René und später Franzi mit Marie aufgebrochen sind, haben wir den Finishern applaudiert, manchmal gab es eine Geschichte zu den Läufern.
Der Lauf fand das 18. Mal statt. Bei jedem erfolgreichen Lauf gibt es einen Stern. Der Niederländer zum Beispiel, hat heute seinen 18. Stern bekommen. Einfach unglaublich. Jedes mal Anfang Juli fit zu sein, jedes mal, egal ob Hitze oder Wind in den Bergen anzukommen.
Das haben neben ihm nur noch 5 weitere Menschen geschafft, als 22Uhr die rote Laterne die Ziellinie überquerte.
Heute sind 174 Männer (zwei davon zwischen 70 und 74 Jahre alt) und 39 Frauen angekommen, 14 Teilnehmer haben das Ziel leider nicht erreicht. Staffeln nicht eingerechnet.
Jeder hatte seine eigene Geschichte zu den 100km und den 2200 Höhenmetern zu erzählen.