Tag 85 - Geier und die Höhle Aven Armand

Wir starten den Geburtstag von Robert ganz entspannt und kuscheln im Bett und frühstücken. Die Verrückten hier haben heut noch einen Lauf: heut gibt es hier 57 km Runde. Robert darf wieder nicht mitlaufen und nur kurz anfeuern. Dann geht es für uns nämlich weiter. Als erstes fahren wir in unserem Tal noch ein Stück weiter zu einem Museum über Geier. Eigentlich wollt ich mir das Museum sparen und nur zur Aussichtsplattform, aber das ging nicht, es gab nur beides zusammen. Somit haben wir uns ein Ticket fürs Museum gekauft und das angeschaut. Ein paar Informationen gab es auf Englisch und viele Fotos und Videos. Das beste ist aber die Aussichtsplattform mit mehreren Spektiven und einem Mensch der sie auf verschiedene Nester ausgerichtet hat. Wir stehen also und gucken Geier in den Nestern. Sie sind ehrlich gesagt immer noch ziemlich weit weg und klein, aber man erkennt sie gut und sogar die Kücken. Mega cool. Dann gibt es noch einen Film zum angucken. Darin wird erklärt, dass vier verschiedene Geierarten vorkommen und wer was frisst und wie groß sind, alles Mögliche. Dank englischer Untertitel verstehen wir was. Danach gehen wir nochmal raus auf die Plattform und fragen den Mann, ob hier denn auch der Mönchsgeier brütet und wir ihn sehen können. Im Video wurde berichtet, dass seit der wiederansiedlung 30 Paare in der Region leben. Tatsächlich kennt er ein Nest, dass von hier zu sehen ist. Allerdings ein Nest im Baum und er meint nur sehr schwer zu erkennen. Immer wenn der Geier sich streckt und seinen Kopf hebt, sieht man ihn aber recht gut. Er hat nur 20 Sekunden gebraucht, um das Spektiv darauf auszurichten. Wir sehen nur einen Ausschnitt mit Wald und können nicht mal sagen, wo der Ausschnitt in der Felswand gegenüber des Flusses ist und er findet das einfach… Mega cool.
Bei den Gänsegeiern war die Wiederansiedlung auch sehr erfolgreich: vor 35 Jahren wurden 60 Tiere ausgewildert und heute sind über 900 Paare da. Richtig gut. Bei den Bartgeiern ist der Erfolg bislang nicht ganz so groß, hier gibt es nur drei Paare. Aber es ist normal, dass weniger Bartgeier als Gänsegeier vorkommen, da die sich nur von Knochen ernähren und die seltener sind als Muskeln und Fleisch. Die haben wir leider nicht gesehen. Dafür ist die Anzahl der Gänsegeier beeindruckend und die Tiere auch. Der Eintritt hat sich dann doch gelohnt.

Im Tal der Geier
zunächst ein schlechtes Spektiv 🙈

Dann geht es für uns nochmal 20 km weiter ins Tal zur Höhle Aven Armand. Dort machen wir erstmal Mittagspause. Marie schläft leider ein, als wir die 20 min bis zu unserer Führung warten. Somit verschläft sie leider alles. Naja was soll’s. Wir starten mit einer Seilbahn in die Tiefe. Die Bahn braucht keinen Strom, da sie durch das Eigengewicht des zweiten, gegenüberliegenden Wagens gezogen wird. Pro Führung dürfen maximal 40 Personen teilnehmen. Wir haben aber Glück und haben eine kleine Gruppe mit vll 15 Menschen. Als erstes gibt es einen kleinen Film mit ein paar Infos. Dann gehen wir durch eine Tür und kommen in eine dunkle Höhle. So wie es halt ist, wenn kein Licht an ist. Durch eine Lichtershow mit Schatten wird gezeigt wie die Entdecker damals durch ein Loch in der Decke über eine 80 m lange Strickleiter hinab geklettert sind und den riesigen Hohlraum gefunden haben. Dann geht das Licht an und wir sehen das ganze Ausmaß des Raumes. Ich war ja schon in einigen Höhlen, aber einen solch großen Raum hatte ich noch nie. Sie ist 110 lang, 60 m breit und im Durchschnitt 45 m hoch. Damit ergibt sich ein Volumen von 200.000 m3. Das ist so groß, dass die Kathedrale von Notre-Dame hineinpasst. Das sind Dimensionen, die könnt ihr euch nicht vorstellen. Im Rahmen der Führung laufen wie einen Kreis durch die Höhle. Die Stalagmiten und Stalagtiten sind beeindruckend. Die Stalagtiten von oben sind recht unspektakulär. Aber die Stalagmiten, die von unten wachsen, sind einmalig. Zum einen sind sie teilweise richtig groß. Die höchste ist 27 m hoch und wirkt fast als kommt sie bald oben an (hat aber noch 15 m Luft, das dauert also noch). Als zweites haben sie eine ganz besondere Form: fast wie ein Korallenriff. Bei uns sind die recht schmal nach oben wachsend. Hier ist es eher wie ein unordentlicher Stapel mit Waffeln oder eben Korallen, überall stapeln sich Blätter. Ursache ist, dass die Tropen aufgrund der hohen Deckenhöhe so eine hohe Geschwindigkeit beim fallen erreichen, dass sie zerspringen wenn sie aufkommen und damit die Form bilden. Und dann gibt es noch welche da wölben sich die Blätter nach oben. Ursache hier ist der Wind in der Höhle. Besonders im Winter ist es draußen kälter als in der Höhle. Die kalte Luft drückt nach innen und bringt die warme Luft zum nach oben zirkulieren dadurch werden die Tropfen nach oben geleitet und die Blätter wölben sich hoch. Dazu sind die Stalagmiten breit, so breit sogar, dass man sie nicht umfassen kann. Auf den Bildern verliert man die Relation, es war wirklich krass. Die meisten sind einfach weiß. Einige wenige sind rot durch Eisen gefärbt. Es wird vermutet, dass die Entstehung bereits vor 700.000 Jahren begonnen hat. Unsere Führung war in Französisch aber die nette Frau hat uns das Wesentliche auf Englisch übersetzt. Da hatten wir echt Glück. Die Höhle wurde 1897 entdeckt, 1925 wurde beschlossen die Höhle für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und 1927 der Tunnel gebaut. Die Seilbahn wurde erst 1963 eingebaut und erspart den Besuchern 360 Stufen (es sind aber immer noch über 200 Stufen die man geht). Die Beleuchtung der Höhle war auch mega gut gemacht (die Alhambra kann sich was davon anschauen), es ist der gleiche Designer, der die Beleuchtung des Eiffelturms gemacht hat. Nach einer Stunde sind wir wieder am Tageslicht und Marie aufgewacht. Den Nachmittag fahren wir noch zwei Stunden nach Norden. An unserem Stellplatz bekommen wir tatsächlich noch ein Eis einer lokalen Firma mit Kühen. Das ist dann Roberts Geburtstagskuchen: eine Box Heidelbeereis. Marie darf kosten und fällt dann müde ins Bett.

Der Eingang. Auf einem Schild steht, dass keine Knochen hineingeworfen werden dürfen (Legenden sagen: verirrte Wanderer und Tiere), jedenfalls lagen unten Knochen...
Abwechslungsreiche Ernährung 🙈