Tag 75 - Comillas und ein besonderer Wald

Nachdem Robert gestern wieder sportlich und viel unterwegs war, ist heut für alle eher ein ruhiger Tag angebracht. Meine Erkältung ist weiter da, aber immerhin löst sich der Schleim langsam. Marie ist immer noch fit und hat es sich nicht eingefangen. Wir könnten noch viele Wanderungen in den Picos machen, aber der Rückweg ist doch noch weit und wir sind heute zu platt für was in den Bergen. Somit lassen wir die letzten beiden schönen Routen (eine von Osten in ein Tal und eine im Norden auf einen Berg) weg und fahren weiter. Unser Weg führt uns wieder nach Norden an die Küste und ein Stück nach Osten. Als Ziel für den Mittagsschlaf nach einer Stunde Fahrt ist das Naturschutzgebiet Monumento Natural de las Secuoyas del Monte Cabezón. Im Reiseführer beworben als ein einzigartiger Wald in Spanien und ganz Europa mit Baumriesen. Der Parkplatz ist nahezu voll und wir bekommen eine der letzten Lücken. Die Runde laut Reiseführer ist kurz aber genau andersrum als alle anderen Menschen sie gehen. Wir spazieren also los in einen Wald der anfangs gar nicht so spektakulär ist. Es sind ein paar Eichen und Buchen und andere Laubbäume da. Alle aber noch dünn und nicht unendlich alt. Am Hauptweg angekommen wird der Wald plötzlich dunkel. Vor uns stehen sehr sehr dicke, hohe und alte Mammutbäume. Der ganze Hang ist voller solcher Bäume. Vom Gefühl ist es ähnlich wie in deutscher Fichte: dunkel und es wächst nichts anderes. Die Bäume sind tatsächlich besonders für Europa. Es geht dann durch den Wald bergauf über Treppen und einen Holzsteg und dann wieder durch lichten Laubwald zum Auto zurück. Eine schöne Runde für den Mittagsschlaf.

Anstatt die Holzbretter auszutauschen wird sie gesperrt und fungiert nur noch als Rankhilfe....

Danach fahren wir noch 10 km nach Comillas. Die Stadt erwartet uns mit einem gigantischen roten Bauwerk auf einem Hügel, in dem sich Universität befindet. Da wollen wir aber tatsächlich gar nicht hin. Auf einem anderen kleinen Hügel gibt es einen Palast, eine Kirche und ein Wohnhaus in besonderem Stil.

Palacio de Sobrellano: der Palast wurde 1881-1888 gebaut und von Antonio López y López entworfen. Das Gebäude ist im neugotischen Stil und die Fassade beeindruckend. Innen ist heute ein Museum und Möbel von Antoni Gaudí. Wir entscheiden uns hier aber gegen eine spanische Führung.

Capilla Panteón de los Marqueses de Comillas: eine Kirche, vom gleichen Architekt wie der Palast und 1881 fertiggestellt. Auch hier ist das Bauwerk total schick und beeindruckend aber wir waren nicht drin.

El Capricho de Gaudí: damit wir doch noch ein bisschen Gaudi erleben, besuchen wir dieses von ihm entworfene Wohnhaus von einem wohl recht wohlhabenden Geschäftsmann. Es wurde von 1883 bis 1885 errichtet. Das Haus ist Geschmacksache, dem Eigentümer hat es wohl gefallen. Es hat überall Sonnenblumen auf Fliesen gezeichnet. Hauptaugenmerk ist ein kleiner Turm über dem Eingangstor, der auf vier Säulen steht. Es gibt dazu noch verschiedene Besonderheiten: ein Badezimmer, das damals kaum ein Haus hatte. Einen Wintergarten nach Süden, der das Haus gut aufwärmt, kleine gusseiserne Balkone am Wohnzimmer, sodass man draußen sitzen konnte und rein schaut, ein ausgebautes Dachgeschoss für die Bediensteten (über eine Wendeltreppe erreichbar, die man mit Marie in der Trage kaum gehen kann, weil sie so eng ist), einen kleinen Garten mit einer kleinen Höhle (in der es immer kühl ist). In der Führung wurde uns alles mögliche erzählt und interpretiert warum er was wohl so gebaut hat. Es ist ein typisches Bauwerk von Gaudi, etwas speziell, aber durchdacht und irgendwie schön. Es ist echt viel los. Mehrere Schulklassen und mehrere Führungen werden gleichzeitig durchgeführt. Dazu kommen Besucher wie wir, die selbstständig mit einem Audioguide unterwegs sind. Kaum eine Chance auf Bilder ohne Menschen. Da der Ort sonst unscheinbar ist und wir keine Lust auf Strand haben, fahren wir danach noch kurz einkaufen und zu einem Stellplatz ein Stück weiter im Osten an einen See. Hier gibt es für alle Rührei und Brötchen zum Abendessen bevor es ins Bett geht.