Tag 72 - Picos de Europa: Ruta del Cares

Das Wetter ist perfekt. Sonnig mit ein paar kleinen Wolken. Ziel ist heute eine Schlucht durch die der Wanderweg Ruta del Cares führt.

Die Besonderheit: der Fluss Cafés trennt die Picos de Europa von Süd nach Nord (in Fließrichtung). Dazu gibt es drei relevante Orte:
Poncebos an der Straße im Norden der Picos,
Cain de Valdeón in der Mitte, per Straße nur aus dem Süden erreichbar,
und Posada de Valdeón, da übernachteten wir, liegt an der Straße südlich der Picos.
Wer mit dem Auto von Poncebos nach Posada will, fährt 112km in 2h 12min auf kleinen, verwinkelten Straßen.
Wer zu Fuß unterwegs ist, braucht nur 22km in schönster Berglandschaft zurückzulegen. (2h 12min sind dann ambitioniert, aber von Süd nach Nord, da bergab, machbar…).
Der Wanderweg wurde 1916-1921 gebaut, Hintergrund war die Nutzung von Wasserkraft. In den 1940er Jahre wurde er verbessert.

Da wir nicht ganz so weit wandern wollen (siehe gestrigen Tag), beschließen wir, den Stellplatz (an einer Turnhalle im Dorf, bei der wir Dusche und Toilette nutzen durften) zu verlassen und Richtung des besagten Cain de Valeón zu fahren. Da gibt es in 5km ein Wanderparkplatz. Plan war die restlichen 4km nach Cain zu wandern und danach die weiteren drei km mit einigen Highlights und zurück. Allerdings begrüßte uns am Ortsausgang in diese Sackgasse ein rundes weißes Schild mit rotem Rand, in dem ein Wohnmobil abgebildet war. Zwar mit Alkoven, aber es reichte aus, das wir uns angesprochen fühlten…
Wir fuhren zurück und checkten erneut an dem schönen Stellplatz mit Kuhglocken und Bergpanorama ein.

Franzi meint: Von hier sind es allerdings 9 km (einfach) bis der eigentliche schöne Teil der Schlucht (die Spanier bezeichnen sie auch als „göttliche Schlucht“) beginnt. Da bin ich heut mit Marie raus. Ich spaziere mit ihr die ersten 3 km bis zu einem Aussichtspunkt und drehe dann wieder um. Den Nachmittag verbringen wir mit Essen und spielen. Mal im Camper und mal draußen wenn Wolken da sind.
Robert stattdessen joggt den Weg. Er wollte eigentlich nur ein Stück machen und, wie soll es anders sein, packt ihn unterwegs die Begeisterung und er läuft doch alles. Somit sind es für ihn einfach 21 km und gesamt dann 42 km. Er kommt kurz nach 18 Uhr zum Glück gut wieder bei uns an. Ein Marathon ohne Verpflegungsstationen und ohne Laufweste mit Wasser und Essen ist doch nicht ohne. Immerhin hatte er ne kleine Flasche Wasser und zwei Riegel dabei. Wir sind froh als er gut bei uns ankommt und morgen ist eindeutig für alle ein Pausetag!!!

Hier noch der Teil vom Wanderweg von Robert:
Die meisten Berichte im Internet behandelten nur einen Teil, also 11km der 21km. Ich hab bei der Recherche keinen Autor gefunden, der beide Teile gesehen und beschrieben hat… Naja, ich starte eh von Süden aus, da wir hier nun mal sind. Einige Highlights befinden sich nördlich von Cain, also hab ich da noch ein paar km (so 3km) eingestellt und auf meine Uhr übertragen.
Nach Recherchen hat 2019 das Taxi die 112km verwinkelte Bergstraße 160€ gekostet. Mein Interesse besteht nicht darin, alles zu Laufen und zu verifizieren, ob nach der Inflation der Preis noch unter oder über 250€ liegt.
Also erstmal los. 0,5l Wasser und 2 Müsliriegel eingepackt, vorbei an den Stausee und Aussichtspunkt, den Franzi sich auch noch anschauen wird, über eine Kirche „Eremita Corona“, einer Nekropole (ging 400m in eine Sackgasse, hebe ich für den Rückweg auf, wenn ich noch Kraft habe) und einer ausgeklügelten Wolfafalle: zwei Holzpalisaden wurden hangabwärts gebaut, die Öffnung ca. 20m breit, dazu kamen darin drei Palisadendeckungen, hinter die Menschen passen, oder irgendwas zum Anlocken, und das schmale Ende der Palisaden mündete in eine Art Brunnen mit 3m Durchmesser und 3m Höhe, in die der Wolf hinein fiel. Unten gab es eine Türe.

Es ging durch Wälder über Almen, kleinen Höfen nach Cain, was wunderschön liegt. Überfall gebimmel von Schafen und Blöcken von Ziegen, aber diesmal keine Hunde… und von oben ins Dorf. Das liegt echt schön in den Bergen, der Fluss Carnes und zwei Zuflüsse aus dem Bergen treffen sich dort.

Dann kam der spannende Teil: der Fluss wurde nach Cain angestaut. Zudem wurde Wasser neben dem Fluss in einen Kanal (2m breit, 1m tief) geleitet, der verlief über 70 Tunnel durch die Berge, teilweise außerhalb. Meist mit Beton abgedeckt, damit kein Geröll reinfällt. Das Wasser schießt mit einer Geschwindigkeit da durch. Verrückt.
Die Fußgänger haben nur wenige Tunnel, aber finster und bis 200m lang und 2 Brücken, von der eine die Grenze zwischen Kastilien León und Asturien darstellt.
Dazu war die Schlucht einfach mal 200m unter mir. Kerzengerade ging es runter. Weit vor mir sah es noch spannender aus, aber die Uhr sagte: Wendepunkt ist erreicht… Argh… Ich lief weiter. Das will ich noch sehen. Ich war so begeistert, wollte mehr sehen. Und Quellen hatte es ja einige.
Kurz vor Poncebos habe ich die fürchterliche Steigung am Anfang, wenn man im Norden startet, (gem. Internetberichten) weggelassen.

Die meisten Leute wanderten nur den nördlichen Teil. Geschätzt hab ich 100 Leute gesehen, nur 5 davon auf den südlichen 11km. Ja, der Norden ist spannender. Jetzt hab ich den Vergleich. Aber da waren die Leute sehr positiv gestimmt, aber einige hatten auch richtig zu kämpfen, eine Frau, die auf mich zu wanderte, hat mir ihre Wanderstücke mit den Spitzen ins Gesicht gesteckt oder ich wäre beim Ausweichen fast in die Schlucht gefallen… Sie hat mich angesehen, aber das in der Hitze anscheinend nicht mehr verarbeitet bekommen….

Dann ging es wieder zurück, hab mich an jeder Quelle erfrischt, und in Cain. Aber irgendwie haben mich die tollen Streckenabschnitte doch vergessen lassen, wie steil es auf dem Hinweg bergab ging.
Jetzt kam die Retourkutsche und der Hunger. Der Notriegel war dann schnell gegessen. Die Spanischen leisten nicht so gute Dienste. Es wurde dann echt ein Kampf. Das essen fehlte und eine Quelle gab mir den Rest. Verspottet wurde ich von einem Getränkeautomaten im Ort, es war nur noch ein km vom Camper entfernt, da kosteten 0,5l Cola/Fanta/Sprite nur 0,75€…
Im Notfall hat spazieren…
Egal. Eine der besten Erlebnisse in diesem Urlaub.

Am Camper wartete ein voller Topf Nudeln auf mich, danke Franzi 🙂

Die Wolfsfalle
Eremitage Corona
Lage von Cain de Valeón
Eingang in die Schlucht
Grenzbrücke in der Schlucht
Wasserkanal und Wanderweg
War doch an der Nekropole. Friedhof aus Mittelalter, Museum geschlossen.