Tag 38 - Gibraltar: British vibes today

Wir starten direkt nach dem Frühstück (wird dann aber doch 9.30 Uhr). Naja mit Kind dauert halt alles irgendwie Länge rund vor allem schlafen wir länger als früher. Die Möven kreisen über uns und einige Camper verlassen den Parkplatz, während wir einmal an allen vorbei zum Ausgang laufen. Dann geht es vorbei an noch mehr Parkplätzen bis wir zur Grenze nach Gibraltar kommen. Wir reihen uns mit all den anderen Fußgängern ein und warten mal was da kommt. Es kommt Nix. Alle mit EU- Perosnalausweis winkt der Polizist einfach durch. Alle mit Reisepass bleiben in der Schlange für einen Stempel. Das war einfach. Wir sind drüben. So schnell sind wir in Great Britain 🇬🇧. Und vor allem: raus aus der EU. Ein weiteres neues Land für Marie und Robert 😁

Erstes Highlight: der Wegs ins Land führt uns direkt über die Start- und Landebahn des Flughafens. Bis 2023 fuhren auch die Autos drüber, die haben jetzt einen Tunnel. Aber die Menschen dürfen mit Rollern, Fahrrädern und zu Fuß immer noch drüber. Immer wenn ein Flugzeug kommt wird gesperrt und alle müssen warten. Als wir kamen durften wir aber direkt drüber.

Einziger Flughafen, den man ebenerdig kreuzt, da er breiter ist, als das Überseegebiet
Wir auf der Start- und Landebahn

Dann führt der Weg erstmal einfach geradeaus entlang der Straße. Die Tankstelle zeigt 1,46€/Liter Diesel, doch noch ein Stück billiger als in Spanien. Aber keine Ahnung wie die Grenzkontrolle bei einem Camper ausfällt und wie ätzend Parkplatzsuche drüben ist. Lieber nicht ausprobieren.

Da die Seilbahn renoviert wird, muss man den Berg hoch laufen oder sich eine geführte Tour im Mini Bus buchen. Die Tour Leute stehen überall rum und wollen uns was andrehen. Wir lehnen dankend ab und laufen unser Ding. Wir nähern uns mehr und mehr dem Zentrum. Wir schlängeln uns über eine kleine Brücke (hier wohnen einfach mal Hühner an einem Parkplatz ohne Zaun) und kommen zu einem Tunnel (hier wird was zur Geschichte erklärt). Als wir wieder draußen ankommen stehen wir auf dem zentralen Touri-Platz am Eingang zur Innenstadt. Von hier aus wollen wir aber erstmal hoch auf den Berg. Die Wegweiser sind irgendwie nicht da und wir suchen uns einen Weg über die Karte. Allerdings laufen wir unfassbar oft in Sackgassen oder Treppen hoch die im Nix enden. Die ersten Batteries, die kommen, sind ziemlich kaputt und alle Sackgasse. Nach einigem Suchen kommen wir endlich auf die richtige Straße und nehmen den Weg, den die geführten Touren mit ihren Autos auch nehmen. Dann stehen wir endlich am Eingang zum Naturreservat und brauchen natürlich ein Ticket. Für 30 GibraltarPfund (35€) pro Person kaufen wir uns die Tickets und können damit aber auch alles besichtigen (und das ist eine Menge wie ihr noch sehen werdet).

Zum Hintergrund: der ganze Berg wurde in der Geschichte von Gibraltar und Europa militärisch genutzt und war strategisch mega wichtig zur Verteidigung. Daher gibt es hier viel Reste dazu.

Wir starten im world war II Tunnel: wir bekommen einen Helm und gehen in ein Tunnelsystem, welches im zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Insgesamt 45 km durch den Berg. 54m wurden pro Tag neu gebaut während des Kriegs. Aus dem Berg raus gab es dann mehrere Ausgänge zu Punkten von denen aus man gut schiessen konnte. Im Berg gab es ein Lazarett und Aufenthaltsräume und einen Wasserspeicher. Insgesamt durften hier die Menschen, die für den Krieg gebraucht wurden, sich bei einem Angriff sicher verstecken. Das System war mega gut ausgetüftelt. Einen Teil kann man begehen und sich ganz viel durchlesen. Marie findet Tunnel witzig und freut sich die ganze Zeit. Es gab auch Hallen, die waren groß genug für ein Flugzeug.

Dann ging es für uns weiter zum Siege Tunnel. Das war ein Tunnel der bereits im Krieg im 18. Jahrhundert (als die Briten das Überseegebiet Gibraltar 1704 eingenommen hatten) gebaut und zur Verteidigung genutzt wurde. In dem Tunnel gab es vier Plätze, um damals mit Kanonen raus zu schiessen. Es gab auch einen Raum in dem die Kanonenkugeln gebaut wurden. Der Tunnel war sogar belüftet (es zog der Wind durch). Am Ende vom Tunnel kommt man an einen kleinen Balkon und schaut aufs Meer und nach Spanien.

Dann ging es für uns weiter Richtung Affen in der Mitte des Berges. Wir nehmen nicht die breite Straße, sondern den kleinen Wanderweg namen Inglish way. Der führt uns über einen schnallen Pfad mit viel Grün und vielen Eidechsen bergauf. Das letzte Stück nehmen wir die Treppe an der Charles V Wall nach oben. Auf der Treppe sind immer wieder Berberaffen (die einzigen Affen Europas). Regel Nummer eins: nicht streicheln und nix in der Nähe essen. Für uns interessieren sich die Affen zum Glück nicht. Aber auf einen Mann hinter uns springt plötzlich einer drauf – und schnell wieder runter. Bei einer anderen Frau versucht einer den Rucksack zu klauen. Ganz ohne sind die Affen nicht aber schon auch wunderschön. Aus ein bisschen Distanz macht beobachten echt Spaß. Ganz oben an der Treppe gibt es eine Futterstelle, hier tummeln sich die Affen (aber auch die Touri Autos).

Dann geht es für uns zum Skywalk. Eine gläserne Aussichtsplattform mit Blick auf Spanien.

Wir schlendern weiter über den Berg. Es kommen immer wieder Reste von Gebäuden, die heute von den Affen zum Sonnen genutzt werden.

Nächstes Ziel: O’Hara’s Battery ganz am südlichen Ende vom Berg. Das Ding liegt auf dem höchsten Punkt vom Berg und wurde 1890 gebaut und ist eine Artillerie Batterie. Man kann die Technik noch angucken und auch wieder durch Tunnel laufen.

Dann kommt das nächste Highlight: St. Michael’s Cave. Eine Kalksteinhöhle, die durch die Einwirkung des Regenwassers auf das Kalkstein und die Auslösung der Verkarstung entstanden ist. Daher finden sich in der Höhle auch zahlreiche Stalaktiten und Stalagmiten. Diese werden durch Lichter und Farbe schön in Szene gesetzt. Leider ist sie nicht mehr in einem Top-Zustand, da es im Berg zu einigen Sprengstoffunfällen kam und durch Erschütterungen einige Teile zerstört wurden. Marie fasst die auch mit Begeisterung an.

Hier der Heilige St. Michael

Mittlerweile ist es Nachmittag. Die Sonne bruzelt immerzu und draußen schwitzen wir vor uns hin. Aber wir sind immer noch nicht fertig. Jetzt geht es zu einer Hängebrücke im Fels mit Ausblick.

Zu guter letzt gehen wir zu den Säulen von Herakles, mit der Inschrift „non plus ultra“ – nicht darüber hinaus. Die stellen die Grenzen der antiken Welt dar (Rom, Carthago, Athen, Troja, Antiochia, Alexandria). Die sind sogar Teil des spanischen Wappens. Seit Karl V und der Entdeckung Amerikas lies man das „non“ einfach weg: immer weiter.

Von hier aus sehen wir nicht nur Berge von Afrika, auch den Europa-Platz (obwohl Gibraltar nicht mehr Teil der EU ist, ist der Name geblieben), der mit einem Leuchtturm und einer Moschee bebaut ist. Der Weg ist uns heute aber zu weit und uns reicht der Blick aus der Ferne. Wir machen uns auf den Weg den Berg hinab und zurück in die Stadt. Wir schlendern noch ein bisschen über die Main Street und suchen uns was zu essen. Wir landen in the Clipper, einer Seefahrer-Bar und lassen uns ein Abendessen schmecken. Es gibt einmal Fish & Chips für mich und ein pepper beef (Geschnetzeltes in Pfeffersoße) für Robert. Marie klaut mit Pommes und hat so die ersten Pommes ihres Lebens in UK verspeist 😁 keine Sorge die waren nicht gesalzen und auch nicht fettig, sondern richtig gut. Ihr hat’s geschmeckt und uns auch.

Nachdem es doch später ist als geplant fahren wir heut nicht mehr weiter, sondern bleiben hier einfach stehen und zahlen den Parkplatz für zwei Tage. So ist es für alle stressfrei und Marie kann in Ruhe einschlafen. Nach so einem Tag mit so viel Erlebnissen muss sie schließlich alles verarbeiten.