Tag 36 - Naturpark Grazalema

Wir schlafen ewig. Wir waren ja relativ lang in der Stadt und Marie hatte auf dem Rückweg geschlafen, demnach war die Einschlafprozedur langwierig… Dann erstmal gemütlich frühstücken und ein bisschen spielen bis wir uns um 11Uhr auf den weiteren Weg machen.
Wir hatten die Wahl zwischen nochmal Berge und einen anderen Naturpark mit wandern oder zurück an die Küste und dann nach Gibraltar. Da uns irgendwie nicht schon wieder der Sinn nach Stadt stand haben wir uns für die Berge entschieden. Nochmal schnell die besten Wanderungen recherchiert und los geht’s. Zudem hatte ich dort eh einen schönen Gebirgspass notiert.

Wir Düsen also los. Eine schmale, kurvenreiche Straße mit viel Motorrad- und Rennradfahrern verläuft durch Korkeichenplantage. Die Eichen wiesen verschiedene Stadien von eben geerntet bis bald wieder erntbar…
Wir sehen die erste abzweigende Straße in den Naturpark rein: gesperrt. Egal, die wollen wir nicht nehmen. Wir kommen nach Grazalema, einem typisch Weisen andalusischen Dorf, das heut irgendein Fest feiert. Die Musikkapelle steht auf dem Marktplatz und alle sind schick im Anzug. Wir fahren schnell durch und stören nicht weiter. Dann kommt schon wieder eine Straßensperre. Auch die ist uns eigentlich egal, da wir ja den Gebirgspass fahren wollen. Den erreichen wir dann auch und können ihn vll einen Kilometer fahren. Dann ist auch der gesperrt. So ein Mist. Da direkt vor der Sperrung ein Wanderparkplatz zum wenden ist, parken wir da erstmal. Dann Mittagessen und schlafen. Hier ist also kein Weiterkommen. Wir könnten jetzt versuchen über große Umwege weiter oben nochmal rein zu fahren. Aber puh. Die Wahrscheinlichkeit auf noch mehr gesperrte Straßen zu treffen ist groß. Bei dem ganzen Regen im Januar hat es hier wohl einige Erdrutsche mit Folgen gegeben.

Da mein Muskelkater heut sagt: Pause, überlegen wir dass Robert ein Stück allein wandert. Immerhin hat es hier einen angeblich schönen Weg. Als wir uns den ansehen stehen wir sehr schnell vor einer Tür, die den Zutritt nur für autorisierte Personen erlaubt. Über einen QR-Code kann man sich wohl irgendwie eine Erlaubnis (Permit) organisieren. Aber die Seite ist nur auf Spanisch und wir verstehen nichts (was ist DNI, was NIE, was CAF…) und kommen nicht weiter. So stehen wir einfach da und gucken Gämsen und wollen zumindest ein paar schöne Bilder von Marie machen. Dann kommt ein junges Pärchen vom wandern zurück. Kurz entschlossen fragen wir die, ob sie englisch können und uns erklären können wie man an ein Ticket kommt. Das bisschen Englisch reicht aus um uns weiterzuhelfen. Am Ende schicken sie uns per Mail ihr Ticket für den Tag und wir können los. Beziehungsweise Robert geht los und ich mach es mir mit Marie im der Sonne auf unserer Spielmatte gemütlich. Wir genießen die Aussicht in die Berge mit den Gämsen hinter uns und üben eifrig Fortbewegung und machen Quatsch. Währenddessen kann Robert sich auspowern und läuft mal schnell den Wanderweg.

Suchbild: Wie viele Gämse?

Am Abend müssen wir nur nochmal los einen Stellplatz finden. Hier dürfen wir nämlich nicht übernachten. Die anderen Wanderwege die ich ausgewählt hatte werden wir wohl streichen, weil wir a) nicht hin kommen und b) jedesmal das Theater mit dem Permit haben werden. Aber der Nachmittag war trotzdem schön in der Kulisse der Berge.

Hier noch ein Paar Worte von Robert:
Eigentlich hatte ich aufgegeben. Die Straßensperren bedeuten: wir müssen alles wieder zurück fahren. Dazu der Wanderweg. Im Internet hatten wir was davon gelesen. Aber telefonisch können die nur spanisch, also Mail schreiben. Wer weiß, wann die geantwortet haben. Dann das Schild: Betreten für Fußgänger verboten. Außer Permit. Ob das jemand kontrolliert?
Aber das Pärchen hat gesagt, nachdem ich ihr Permit hatte, dass Fatma krank ist und ich für Fatma wandere. OK.
Dann fragte ich nach den anderen Feldern: einmal Ausweisnummer, dann eine Nummer, die nur Spanier haben usw., sie wussten nicht, ob es als Nichtspanier funktioniert. Puh… Zuletzt brauchten wir Reisepässe für Sehenswürdigkeiten in Chile… Aber in Spanien wird auch säuberlich dokumentiert. Aber heute war ich für Fatma da.

Hab mich nicht weiter mit dem Weg befasst, sollte Pinien haben und am Ende als Ziel „Puerto del Pinar“ haben. Aussichtspunkte waren nicht hinterlegt. Es ging hoch, war sehr felsig, dann gefühlt mehr runter als hoch. Es waren viele Bäume im Naturpark umgestürzt, die recht frisch mit Kettensägen in praktische Treppenstufen umgewandelt wurden. Aber bei dem sandigen Boden bleiben Erdrutsche nicht aus.
Das Schild „Steinschlag“ hat hier eine ganz andere Bedeutung…
Kurz vor dem Wendepunkt des sonst unspektakulären, aber sportlich herausfordernden Weg hab ich das Highlight gefunden: auf einem Sattel war ein Hügel mit uralten Olivenbäumen und Korkeichen. Schön in der Sonne, wenig Wind, während ich bei der Nordseite der Berge über frisches Geröll oder durch Sumpf musste und es gefühlt 10°C kälter war.
Das Puerto hab ich nicht gefunden, war wahrscheinlich nur der Blick ins Land.
Fazit: 2h für knapp 14km mit 800 Höhenmeter. Für ein paar spannende Bäume. Keine Tiere, außer kleine Vögel.