Tag 33 - Caminito del Rey

Wir haben super geschlafen und das erste Mal im Urlaub weckt uns der Wecker. Robert steht auf und frühstückt und wir spielen noch im Bett. 8.30 startet Robert zum Bus. Dieser bringt ihn zum Beginn des Wanderwegs. Beziehungsweise zu dem, was man per Straße erreicht. Von der Bushaltestelle geht es noch 20 Minuten zu Fuß zum Eingang des Wanderwegs.

Hier trennen sich heute unsere Wege. Marie und ich bleiben am Camper und spielen. Krabbeln muss schließlich geübt werden.

Allerdings klappt aktuell mehr der herabschauende Hund als Yoga Übung als richtiges krabbeln 😂

Ein paar Eckpunkte:
Der Weg galt als der schwierigste Wanderweg der Welt (war es vermutlich nie, weil es gibt viele schwierige Wege, aber klingt doch spektakulär). Nachdem im Jahr 2000 vier Menschen gestorben waren, wurde der Weg gesperrt. Aber trotzdem noch von Kletterern als Zubringer zu den Kletterstellen genutzt. Dann hat sich die Regierung entschieden den Weg zu restaurieren und zu sichern. 2015 wurde der neue Weg eröffnet. Jetzt ist er top gesichert und eigentlich kann nix passieren. Wegen Steinschlag bekommt man eine Helm. Und Kinder unter acht Jahre sind strikt verboten (keine Chance mit der Trage. Vll wenn ich Marie am Eingang verstecke unter der Jacke und mich als extra dick ausgebe…). Naja da wir uns wohl an die Regeln halten, wandert nur Robert. Außerdem gab es nur noch ein Ticket.
Das mit den Tickets hier ist auch so ne Sache. Monate im voraus muss man buchen. Wenn ich heute schaue ist der nächste frei Termin Mitte April. Wir hatten vorgestern echt Glück. Ich hab reingeschaut und genau ein Ticket gab es. Das haben wir uns geschnappt. Manchmal geben wohl Leute Tickets zurück und man hat spontan Glück.

Der Weg heißt übersetzt übrigens Königspfad. Er verläuft durch zwei Schluchten auf einem Weg ca. 100 m hoch in den Steilhängen der Schlucht.

Ursprünglich wurde der Weg gebaut um die Wasserkraftwerke hier in den Bergen zu erreichen. 1901 begannen die Bauarbeiten und 1905 wurde er eröffnet. Durch die Witterung/Steinschlag verfiel der Weg nach und nach und immer mehr Teile sind weggebrochen. Heute ist alles mit Stahlseilen und neuen Wegplatten sicher begehbar. Der ursprüngliche charm des Weges blieb grundsätzlich erhalten. Höhenangst darf man keine haben. Warum dann Babys in der trage verboten sind, bestimmt über vorsichtig.

Wie der Weg nun final war berichtet Robert:

Für die Nebensaison sind hier sehr viel Touristen. Wie oft unser Bus, der mich zum Start brachte, zurückfahren musste, um leeren entgegenkommenden Bussen auszuweichen, war schon sportlich.
Für mich ging es dann einen Wanderweg und durch einen Tunnel zum Start, wo ich hoffentlich meine englische Führung um 10Uhr finde.
Das stellte sich einfacher dar, als gedacht: es strömten Menschenmengen zum Start, die wurden eingeteilt in private Führung oder Gruppen. Die Gruppen wurden auf 20 Leute voll gemacht, entweder Spanisch, oder Englisch.
Wie ich in einer Gruppe war, teilte Manuel uns mit, dass wir die Helme und ein Funkgerät mit Kopfhörer empfangen sollen und stellte uns Nico vor, einen 25-jährigen Spanier, der für uns heute verantwortlich ist.
Funkgerät eingeschaltet und schon ist Nico direkt im Ohr. Gut bei der rauschenden und lauten Umgebung.
Die Helmausgabe war auch so instruiert, dass eine Gruppe blaue Helme bekam, die nächste graue Helme, dann wieder blaue. So hatte Nico diesmal seine 20 Funkgeräte mit 20 grauen „Schäfchen“…
Gefühlt wird Manuel seinen Auftrag noch 300mal durchführen und Nico mindestens noch 3 mal nach uns, denn er muss ja jedesmal den Wanderweg noch zurücklaufen…

Einfach beschrieben verläuft der Wanderweg durch eine Klamm, dann gibt es ein offener es Tal und zu guter letzt die landschaftlich beeindruckenste Klamm am Ende.
Entstanden ist das ganze durch Plattentektonik, es entstand ein Faltengebirge, bei dem sich der Meeresboden beidseitig senkrecht nach oben geschoben hat (auf Bildern erkennbar).
Imposant dazu ist noch die Bahnstrecke, welche ebenfalls durch die Schlucht über viele Brücken und Tunnel verläuft. Sie wurde 1905 fertiggestellt und brachte Baumaterialien aus Cordoba ins Tal und sorgte laut Nico dazu, dass Málaga am Mittelmeer von einem zurückgebliebenem Fischerdorf zu einer prosperierenden Stadt wurde, nachdem sie Zugriff auf Kohle, Eisen und andere Güter aus Cordoba erhielt. Heute fährt da ein stromlinienförmiger Personenzug durch die Gegend. Allerdings sehr langsam. Ich hab Schilder mit 50km/h am Tunneleingang gesehen.
Warum Caminito del Rey (Königspfad)? Der Großvater des jetzigen Königs, Alfonso XIII., hat 1921 die Talsperre eröffnet, die für die Elektrifizierung der Umgebung diente. Der Königspfad diente damals dazu, dass die Arbeiter die ganzen Baustellen erreichten und die Stromleitungen errichteten. Ab da an trägt der Wanderweg seinen Namen.
In dem großen Tal erfahren wir einiges über Tiere und Pflanzen. Es gibt iberische Gämse, Wildschweine (aber nur Nachts) und Griffin Vultures, zu Deutsch Gänsegeier. Ich habe an zwei Bergen, an denen gute Thermik herrscht, insgesamt 28 Stück gesehen. Leider waren sie gegen 11Uhr schon sehr weit oben. Nico meint, es sind Aasgeier, aber wir hätten Glück, die stehen nur auf blaue Helme.
Dazu erfuhren wir etwas über GinBäume, Lorbeeren, die Tiere meiden, und die die Spanier daher an die Autobahnen pflanzen und klar, zu Olivenbäumen. Er fragte in die Runde, ob Italiener unter uns sind, aber es gab sich zumindest keiner als solcher zu erkennen. Dann fragte er, welche Nation denn der größte Olivenöl-Hersteller der Welt sei. Es kam häufig Italien und Griechenland als Antwort. Aber ganz vorn ist Spanien, gefolgt von Ländern, die immer mal wechseln wie Tunesien, Griechenland und Türkei, dann erst Italien. Dazu ein Kanal, 1m breit, auf Höhe des Wanderweges, mit dem man durch die Schlucht paddeln konnte. Nur hat sich damals gezeigt, dass die Nachfrage nicht da war. So führt jetzt ein Teil des Wanderweges da durch.
Dazu eine berühmte Eisenbahnbrücke, die häufig als Filmkulisse her gehalten hat. U.a. Frank Sinatra und Robert de Niro waren hier.
Dazu ein eingestürztes Haus, in dem ein Bauarbeiter mit Familie und 11 Kindern lebte, die dank des gefährlichsten Wanderweges der Welt erst zur Schule konnten. Heute ist dahinter ein vorgeschriebener Hubschrauberlandeplatz, für Rettungsaktionen, die in den letzten zehn Jahren drei mal passiert sind.

Am Ende schöne Landschaft, verrückte Bauleistungen zur damaligen Zeit, 8km Wanderung mit ganz leichtem Gefälle, aber auch mit Menschen (private Gruppe, Frau in den 40ern konnte nicht mehr, falsches Schuhwerk, etc), die die zwei A4-Seiten Warnhinweise und Verbote rechtfertigen… Aber warum Marie da nicht mit rein sollte oder Rucksäcke verboten sind, erschließt sich mir nicht. Eine Stelle, an der ich den Kopf einziehen musste. Dafür der Helm? Eher für herabfallenden Steine. Aber da macht die Größe einen Unterschied.
Jedenfalls will ich nicht wissen, wie viel Leute in den Sommerferien dann hier sind.

Am Ende des Weges warteten meine Mäuse auf mich. Franzi hat Marie auch neue Tiere beigebracht. 😂