Tag 27 - Viele Erlebnisse in kurzer Zeit

Wir wurden sehr zeitnah (um 6 Uhr kam der erste LKW) geweckt. Marie stört sowas ja nicht. Sie ist kurz nach 7 aufgewacht und startet gut gelaunt in den Tag (heißt tritt uns solang bis wir Licht machen und mitspielen).

Wir starten nach dem Frühstück. Es kommen weitere LKW und bereiten Bauarbeiten vor. Da wir nicht im weg stehen wollen, starten wir heut direkt.

Das Wetter ist leider sehr bescheiden. Oben in den Bergen scheint die Sonne, aber unten durch das Tal ziehen Wolken zu uns rauf. Naja verlassen wir unser kleines Tal. Fahren durch tausend Kurven bis zum nächsten Seitental. Der Reiseführer bewirbt hier drei schöne weiße Dörfer im Hang mit Blick auf die Berge. Die Dörfer sind nett, aber doch auch in die Jahre gekommen und die Berge hängen in Wolken. Wir beschließen noch ein paar weitere Kurven zu nehmen und so weit hoch wie möglich an die Grenze zum Nationalpark der Sierra Nevada zu fahren. Das sind dann ca. 10 km Serpentinen hinauf. Davon 7,5 km auf unbefestigtem Weg. Das ganze machen wir im Schneefall in den Wolken. Um uns rum ist es wunderschön. Bäume und Natur. Keine Menschen.

Oben angekommen erreichen wir einen kleinen Parkplatz. Eigentlich wollten wir hier übernachten, aber das campen ist verboten. Somit machen wir hier einfach Pause und sitzen das schlechte Wetter aus. Wir spielen im Bett. Die Heizung macht es schön warm. Wir kochen und essen und Marie schläft ein. Mittags kommt tatsächlich die Sonne raus, es schneit nicht mehr und wir können ein bisschen draußen spazieren und ein paar Bilder machen.

Dann heißt es für uns spontan weiter. Ich hab am Vormittag mal wieder (die letzten Tage mach ich das ständig) nach Tickets für die Alhambra in Granada geschaut. Am Wochenende gibt es Tickets am Abend, wenn alles beleuchtet ist. Da alle Tickets eigentlich ausverkauft sind, schau ich immer mal nach, ob es spontan neue Tickets gibt. Am Vormittag war ich bereits beim Einkauf von Tickets zu langsam. Aber diesmal hab ich Glück und sichere uns zwei Tickets für die abendliche Führung in die Paläste. Somit müssen wir heut die 85 km noch schaffen. Wir hoffen Marie schläft einfach dabei. 20-22 Uhr ist sonst nicht unsere Zeit zum ausgehen. Aber wir werden das testen. Marie kann ja in der Trage schlafen.

So schön die Sonne jetzt scheint und so sehr es uns hier gefällt, starten wir. Auf dem Weg nach unten machen wir immer mal einen Stopp für ein Bild. Die Wolken hängen hier noch fest und die Sonne gibt sich alle Mühe sie zu verdrängen. Wasser verdunstet, Schnee taut, die Straße dampft. Echt schön.

Dann halten wir an einer Schaukel. Bereits auf dem Hinweg hab ich die Schaukel schon bewundert. Eine rosa Hollywoodschaukel mit Blick auf das oberste Dorf und die Berge. Da es heut morgen eklig war, haben wir nicht gehalten , aber jetzt schon.

Als wir weiter fahren wollen geht Roberts Tür am Auto nicht mehr zu. Wir hatten die letzten Tage schon immer mal Probleme dass sie nicht richtig schließt und er nochmal aufschließen musste um sie richtig zu schließen. Aber jetzt klappt nichts. Egal was er probiert die Tür bleibt offen. Bei genauerer Betrachtung findet er ein Plastikteil das abgebrochen ist. Die Tür wird ernsthaft über ein Mini Plastikteil gehalten. Wir googeln. Und ja das ist ein bekanntes Problem bei Ford und nur an der Fahrertür. Was jetzt? Mit offener Tür können wir ja nicht weiter fahren. Also werden wir kreativ. Robert holt aus dem Kofferraum einen Spanngurt. Fenster auf. Gurt oben um den Türrahmen. Fenster zu. Den Gurt innen oben am Griff befestigen und straff ziehen. Hält. Sieht etwas albern aus, aber egal. Erstmal bleibt die Tür zu. Hier fahren einige Autos mit kaputten Türen und Gurten als Improvisation rum. Wir fallen bestimmt nicht weiter auf. Lästig, wenn Robert aussteigt. Soll das Auto abgeschlossen werden, muss er über den Kindersitz klettern. Will er kurz aussteigen, um kurz ein Foto zu machen, muss ich die Tür zuhalten, damit der Wind sie nicht aufweht… Das sieht dann so aus:

So machen wir uns auf den Weg durch weitere tausend Kurven in den Bergen. Die eine Hälfte Kurven ist positiv und drückt die Tür zu. Die andere Hälfte … naja. Das Auto mahnt immer wieder „Tür offen“. Aber das Auto ist so alt es piept zum Glück nicht.

Die Suche nach dem nächsten Ford Autohaus ergibt einen Treffer in Granada. Zum Glück nah an der Autobahn und außerhalb der Umweltzone. Wir kommen um kurz nach 16 Uhr dort an (bis 16 Uhr geht hier die Mittagspause). Wir haben ja nicht allzuviel Hoffnung, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir werden freundlich empfangen. Unser Problem ist bekannt. Er scannt unseren Autotyp und sagt wir sollen kurz warten er schaut ob er das Teil da hat. Kommt wieder und sagt das Teil ist da und sie reparieren es uns direkt. Sie brauchen 1,5 h. Besser kann es ja gar nicht sein. Wir überlassen das Auto denen und gehen in der nahegelegenen Tankstelle ein Sandwich essen und uns wärmen. Der Zeitplan ist knapp aber sollte genau aufgehen. Wir müssen um 19 Uhr am Ticketschalter sein (20 Uhr ist Einlass) und brauchen eine halbe Stunde dorthin. Könnte also genau klappen. 17.45 Uhr sind wir wie abgesprochen zurück am Autohaus. Da guckt er uns ganz traurig an und sagt, sie können es nicht reparieren; das Teil passt nicht weil es geringfügig anders ist. Uff. Na toll. Und nun??? Haben wir ein Auto bei dem wir die Tür nicht zumachen und abschließen können… wir fragen, ob er das richtige Teil bestellen kann. Er läuft weg und klärt das ab. Ja kann er und am Dienstag könnte er es einbauen. Heut ist Freitag. Wochenende passiert in keiner Werkstatt was. Die nächsten Städte sind auch wieder weiter weg und wer weiß, ob die da auch so freundlich sind und Zeit haben. Somit entscheiden wir bis Dienstag wohl spontan in Granada und Umgebung zu bleiben. Die bestellen das Teil und um 11 Uhr haben wir einen Termin zum Einbau. Hoffentlich klappt das alles. Aber Spanien ist günstig für Reparatur. Das Teil und der Einbau werden uns nur 300€ kosten. Da ist in Deutschland allein das Ersatzteil teurer. Vll sollten wir noch mehr hier tauschen, da ist es immerhin billig und bald haben wir einmal alles durchrepariert 😂 wir finden ab sofort nur noch Städte mit Ford Werkstätten toll 😂,
Vorher fuhr Robert immer bedächtig und dankbar an Fordwerkstätten vorbei, die wir nicht gebraucht hatten…

Nachdem alles ausgemacht ist düsen wir weiter. Auf der Autobahn ist viel Verkehr aber wir kommen rechtzeitig am Parkplatz an und bekommen eine Lücke. Es hat einen extra Teil für Busse und Wohnmobile. Der kostet zwar pro Minute und ist nicht wirklich günstig, aber wir können hier übernachten. Der Plan steht und ist mit Marie abgesprochen: Windel wechseln, warm anziehen, kurz trinken, Eltern essen schnell einen haps, Foto packen und los geht’s. Pünktlich stehen wir am Ticketschalter. Unsere Tickets haben wir online gekauft und bekommen aber für Marie müssen wir am Schalter eins holen (fragt nicht warum). Dann haben wir noch ewig Zeit bis zum Einlass und stehen im Nieselregen zwischen gigantischen Palästen. Es wird immer dunkler (im dunkeln sind die Wolken auch egal 😁) und die Gebäude sind schön beleuchtet. Je näher wir uns 20 Uhr nähern desto länger wird die Schlange. Da ich keine Lust hab mit Marie in der Schlange zu warten gucken wir lieber durch die Gegend und sehen am Ende so ziemlich ganz weit hinten. Dann endlich kommt Bewegung in die Sache, ein Mann läuft die ganze Schlange ab und prüft ob jeder ein Ticket und einen Ausweis hat. Marie trinkt gerade genüsslich als er unser Ticket sehen will. Als er einmal durch ist kommt er wieder zu uns und sagt wir sollen mitkommen (und noch ganz viel auf Spanisch was wir nicht verstehen). Ich dacht ja erst irgendwas stimmt mit unserem Ticket nicht. Er läuft mit uns auf jeden Fall an der ganzen Schlange vorbei zum Einlass. Nimmt dann unser Ticket. Tut irgendwas. Druckt einen Zettel aus. Tut wieder irgendwas. Scannt unsere Ausweise und wir dürfen als erste rein. Schon cool so mit Säugling 😂👍

Wir wussten nicht genau was uns erwartet um ehrlich zu sein. Wir können euch aktuell auch wenig über die Geschichte berichten. Es gab nämlich keinen Audioguide oder englische Führung, sondern man ist nur so durchgelaufen und hat geguckt. Das Gelände insgesamt ist groß und besteht aus mehreren Gebäuden (Alkazabra, Nasridien Paläste und Generalife). In unserem Ticket abends sind nur die Nasridien Paläste dabei und offen. Die sind aber die Hauptattraktion und bestehen wiederum aus drei Palästen. Alles ist schön beleuchtet (auch wenn man es an der ein oder anderen Ecke besser machen könnte für noch schönere Fotos, z.B. ein Baustrahler strahlt direkt in eines der beliebten Fotomotive). Der Bau ist beeindruckend. Die Größe ist irre und nicht einzuschätzen. Es gibt unglaublich viele Details an den Wänden und Decken (ihr werdet es auf den Bildern maximal erahnen können). Wir laufen mit allen andern Menschen von Raum zu Raum und gucken und staunen. Mein Plan „Marie schläft“ geht nicht auf. Sie guckt Lichter. Alles ist viel zu spannend. Aber sie ist lieb und zufrieden. Nachdem wir gut 1,5 h gucken machen wir uns dann auf den Rückweg und da schläft sie dann grinsend ein.

Ein langer Tag geht zu Ende. Wir liegen bei Nieselregen im Bett und kuscheln uns ein und schauen mal wie lang wir morgen schlafen und wie es weiter geht.