Tag 8 - Noch mehr alte Steine ...
Nachdem uns die Römer gestern so gut gefallen haben, wollen wir heute noch mehr Kultur von denen bestaunen.
Nach einer holprigen Nacht, die erst um fünf beendet schien, haben wir bis neun geschlafen und recht spät gestartet. Erstmal noch die Vorzüge des Campingplatzes nutzen: Duschen, Spülen und bestelltes Baguette an der Rezeption abholen. Dann ging es los zum Pont du Gard.
Was ist das? Ein römisches Aquädukt aus Sandkalkstein. Dazu noch eines der am besten erhaltenen und eine der bedeutendsten Brücken der antiken Römer.
Es war eine ca. 50 km lange Wasserleitung von Uzes nach Nimes (Luftlinie ca. 22km). Allerdings steht der Rest nicht mehr und nur die Brücke und kleine Stücke danach können besucht werden.
Die Brücke ist 49 m hoch und umfasst drei Etagen:
Untere Ebene: 6 Bögen, 142 m lang, 6 m breit, 22 m hoch
Mittlere Ebene: 11 Bögen, 242 m lang, 4 m breit, 20 m hoch
Obere Ebene: 35 Bögen, 275 m lang, 3 m breit, 7 m hoch
Als Besucher kann man über die untere Ebene laufen. Die beiden darüber liegenden Ebenen können von den beiden Uferseiten betrachtet werden. Wobei man ehrlich gesagt nicht auf dem römischen Aquädukt läuft sondern daneben ( Hintergrund später).
Etwa 20.000 Kubikmeter Wasser flossen nach der Fertigstellung täglich über den Aquädukt nach Nimes, das zu der Zeit etwa 20.000 Einwohner hatte. Demnach standen theoretisch täglich jedem Einwohner rund 1000 Liter Wasser zur Verfügung.
Der gesamte Aquädukt besaß ein durchschnittliches Gefälle von 24 cm/km.
Schon verrückt was die damals konnten.
Der Bau hat angeblich durch 1000 Bauarbeiter innerhalb von drei Jahren stattgefunden.
Allerdings wurde das Ding mit den Jahren unbrauchbar. Es bildeten sich Kalkablagerungen und setzte sich zu. Im Laufe des 9. Jahrhunderts wurde es vollends unbrauchbar und die Menschen der Umgebung begannen, die behauenen Werksteine der Wasserleitung abzutragen und für andere Zwecke zu nutzen.zum Glück wurde die Brücke im mittelalter und danach als Straßenbrücke genutzt und erhalten. Damit die römischen Steine nicht weiter beansprucht wurden hat man 1747 daneben eine Straße im gleichen Baustil errichtet. Auf dieser dürfen heute die Touristen entlangschlendern. Eigentlich konnte man als Fußgänger auf der mittleren Ebene gehen, aber das ist heute gesperrt.
Insgesamt ein riesiges, beeindruckendes Bauwerk. Wenn ihr auf dem Foto genau schaut seht ihr die kleinen Menschen Köpfe, die im Vergleich zum Rest mini sind.
Nach drei Stunden auf dem Gelände und einem langen Mittagsschlaf für Marie ging es dann für uns weiter.
Wir hatten jetzt mehrere Routen zur Option. Entweder langsam gerade nach Süden mit mehreren Stopps in den Bergen und dann landet man irgendwann am Meer oder eher Richtung Südwesten nach Nimes und Montpellier weiter. Da der Wind aktuell aus Norden pfeift haben wir uns gegen nach gerade nach Süden entschieden und wollen doch lieber mal einen größeren Sprung machen. Die Spots der kostenlosen Übernachtungsmöglochkeiten ist um Nimes und Montpellier quasi unmöglich. Dazu kommt eine nervige Umweltplakette für Montpellier. Daher wird das Ziel beide Städte möglichst zu umfahren und dann weiter im Inland einen See anzufahren und das Meer nochmal links liegen zu lassen.
Das sind dann für uns 120 km und 2h Fahrt (aus denen mit Verfahren und tanken und trinken dann 3h werden). 300 nervige Kreisverkehre, die unseren Spritverbrauch in die Höhe treiben und Sonntag-Abend-Stau… was soll’s. Wir kämpfen uns auf den für uns erlaubten Straßen vorwärts und hatten die Route vorher mehrfach geprüft. Was macht Google Maps mitten in der Navigation … einfach die Route anpassen und uns in Straßen schicken in die wir ohne die doofe Umweltplakette nicht dürfen. Kein Verlass auf Google Maps. Wir haben dann im ersten Kreisverkehr gewendet. Sind wieder auf die Autobahn zurück. Haben unterwegs das Navi neu programmiert und wieder die Straße eingestellt, die wir nehmen dürfen. Wenden und neuer Versuch. Man könnt es so einfach haben … da haben wir das nutzlose Europa und die deutsche Umweltplakette zählt hier nicht.
Robert hatte in der Woche vor der Abreise die Plakette bestellen können, aber die hätte man noch nach Erfurt geschickt. Da war die Zeit zu knapp. Aber so ein Aufkleber ist halt schon wichtig. Reicht ja nicht, dass die Zulassungsstellen die Daten wie Kennzeichen, Schadstoffklasse schon zentral haben.
Jedenfalls haben wir, als Marie Hunger hatte, gesehen, dass Montpellier eine Umweltzone hat, da sie mehr als 200.000 Einwohner hat. Augenscheinlich sind in Frankreich kleinere Orte nicht so von CO2-Emmisssionen betroffen wie die Ü200.000Einwohner-Städte. Zudem wurde am 1.1.2026 die Umweltzone von der Stadt auf den gesamten Kreis ausgeweitet und damit die Fläche ca. verdreifacht.
Natürlich hat man an den Transitverkehr gedacht… Es sind gefühlt 20 Straßen ausgenommen. Namentlich z.B. A9, A709, M65, D21, …Das Problem: Mit Ausnahme der Autobahn siehst du nicht, ob du auf der M65 bist. Das steht da nirgends. Das siehst du nur im Navi. Und die haben auch keine 10Mio. Schilder aufgestellt mit: hier beginnt die Umweltzone…
Wir sind hier also nur Transitverkehr. Zentrumsnah durchfahren ist OK, Einkaufen oder Tanken geht aber gar nicht. Weil wir den richtigen Aufkleber nicht haben und die grüne Plakette aus D nicht passt. Aber die französischen Motive sehen vllt. schöner aus…
Ob dann Abgasen eines Euro3 – Diesels im Transitverkehr einen Bogen um die Umweltzone machen? Nach Meinung eines französischen Zentralplaners wahrscheinlich vermutlich schon…
Jedenfalls sieht man hier viel mehr ältere Fahrzeuge im Vergleich zu Deutschland.
Macht die Organisation einer Reise einfach nur schwierig und kostet Recherchezeit. Andernfalls wird das Auto zum Stickeralbum…
Und da ist Frankreich ganz weit vorn dabei.
Aber naja. Wir hoffen mal es kommt keine Post mit einer Strafe nach Hause geflattert und jetzt sind wir erstmal wieder im nirgendwo in der Natur. Wir stehen am Ende von einem kleinen See auf einem ausgewiesenen Womo-Stellplatz und hoffen auf eine ruhige Nacht.
Aber eben hat es geklopft und wir konnten mit einem Starthilfekabel aushelfen.